...bin gerade erst vor einer Stunde aus meinem verlängerten Wochenende wiedergekommen und komme deshalb erst jetzt - ein paar Tage später - zu einer kleinen Richtigstellung einer großen Sache. Einer Sache, die, auch wenn nicht unbedingt völlig unerwartet, mich doch unglaublich empört hat.
Mit meinem Blog möchte ich vor allem kleine Funksignale an meine Familie und Freunde zu Hause, oder woanders in der weiten Welt, senden; ''Hallo, ich lebe noch und mir geht's gut''. Ich will aber auch kleine ''Stückchen'' Kolumbien in die Welt tragen und mitwirken an einem Prozess der Entstereotyposierung dieses Landes auf der anderen Seite des Meeres. Um so mehr enttäuscht und empört einen da falsche Berichterstattung. Zugegeben, von der BILD erwartete man wirklich nicht mehr als fette Schlagzeile und einen ganzen Haufen an Stereotypen. Trotzdem möchte ich hier auf die Berichterstattung der letzten Tage auf BILD.de über die Südamerika-Reise unseres Bundespräsidenten Gauck eingehen. Ein Mehr an falschen Informationen und maßloser Übertreibung lässt sich kaum denken... Ich bin mir sicher, dass eigentlich jeder von euch sich bewusst ist, in wie weit man sich auf den sachlichen Gehalt von BILD-Artikeln verlassen kann (nämlich gar nicht), trotzdem möchte ich gern ein paar Dinge kommentieren - einfach um euch eine wahrheitsgemäßere Sicht darzustellen. Ich bin keine Journalisten, ich bin keine Politikerin - aber ich lebe seit fast 9 Monaten in Bogotá.
Damit ihr euch erst selbst ein Bild machen könnt (Wortwitz der feinsten Sorte...), hier der Link zum Artikel:
http://www.bild.de/politik/inland/gauck-joachim/gauck-in-der-gefaehrlichsten-stadt-der-welt-30326676.bild.html
Fangen wir beim Titel an - ''Gaucks gefährlichste Reise''. Schon beim zweiten Wort beginnt die BILD mit ihrer ''objektiven'' Mitteilungsweise. Daran möchte ich mich gar nicht aufhalten, bemerken wir aber dazu, dass der ursprüngliche (orginale) Titel noch so lautete: ''Gauck in der kriminellsten Stadt'' (-> Bogotá, Hauptstadt Kolumbiens). Dagegen klagte allerdings die kolumbianische Regierung, also wurde der Titel abgewandelt (siehe http://amerika21.de/2013/05/82812/bild-kolumbien).
Weitere Übertreibungen lasse ich aus; bleiben wir weiter bei der Berichterstattung über Bogotá im allgemeinen: ''Bogotà ist weltweite Hochburg des Verbrechens''. Wenn auch die Beleidigung im Titel gestrichen (gemildert) wurde, bleibt sie im Text bestehen. Wie auch die kolumbianische Regierung in ihrer Klage klarstellt, gehört Bogotá schon seit längerem nicht mehr zu den gefährlichsten und kriminellste Städten der Welt (siehe 2.Link), dasselbe beweisen andere aktuelle Rankings. Ein paar Tage später bezeichnet die BILD wiederum Medllin als eine der gefährlichsten Städte der Welt- bleiben wir beim Vergleich in Kolumbien, stimmt hier, dass die zweitgrößte kolumbianische Stadt aufgrund ihrer Vergangenheit als Drogenkartell noch heute neben Cali zu den gefährlichsten Städten des Landes zählt. Auf internationaler Ebene besteht diese Aussage allerdings kaum.
Weiter geht es mit dem Untertitel ''So brutal ist Bogotá!'' und der Aufzählung übertriebenster Stereotypen:
- laufend Überfälle im Taxi: Tatsache ist, dass es diese Überfälle gibt. Auch ich persönlich habe schon von welchen gehört (Exfreiwillige). Allerdings gehören sie nicht zur monatlichen Routine jedes bogotanischen Bürgers, der oft Taxi fährt (z.B. wie ich, mindestens 2mal pro Tag). Außerdem gibt es ein paar einfache Sicherheitsregeln, die jedem eine sorgenfreie Fahrt ermöglichen. Geld hebe ich übrigens auch meistens alleine ab - wenn auch nicht im in der dunkelsten Starße nachts um 3...
- Erpressung, Entführung, gefährliche Stadtviertel: Die Guerillagruppen wie die FARC oder die ELN sind bis heute aktiv, es ist schwer einzuschätzen, ob die öffentlich verlautete Demobilisierung der Gruppen in Wirklichkeit so stattgefunden hat/zu Verminderung geführt hat. Allerdings gilt auch hier: Bestimmte Zonen im Land sind als Ausländer, aber genau so als Staatsbürger zu meiden. Man wird nicht bei hellichtem Tage in Bogotá verschleppt, nur weil man helle Haare hat! Zu den angegebenen Stadtvierteln Bogotás, die angeblich so gefährlich sind: In Suba wohnt eine deutsche Freiwillige von AFS und bewegt sich dort wie in anderen Vierteln auch, nachts gelten sowieso überall strengere Regeln. Und der Süden Bogotás ist tatsächlich ärmer und krimineller, allerdings machen diese Umstände es nicht zum ''Quarantäne-Gebiet'' für Ausländer. Ich selbst bin jeden Donnerstag im Süden Bogotás unterwegs... dazu mehr in meinem nächsten Eintrag über meine Arbeit.
- die K.O.-Tropfen: Sie gibt es, wie wir mittlerweile in vielen Artikeln über Weihnachtsmärkte gelernt haben, nicht nur in Kolumbien. Sie sind ohne Frage sehr gefährlich und stellen immer ein Risiko im Großstadt-Alltag dar. Auch hier gilt: Sicherheitsmaßnahmen beachten. Anmerkung zum Beispiel der 2 deutschen Lehrer - Europäer (/US-Amerikaner) fallen auf und werden meist des Reichtums verdächtigt, Kolumbianer gehören aber genau so zu den Opfern.
--- Ende des Artikels ---
Informativ wie man es von der BILD gewohnt ist. Ein wenig ausführlichere Artikel gibt es im Stern und in der WELT.
Viel mehr gibt es nicht zu sagen - Kolumbien ist ein Land der Extreme und ich möchte nicht bestreiten, dass noch immer viel Gewalt und Ungerechtigkeit einem Fortschritt im Wege stehen. Aber der Prozess ist im Gang und auch wenn die Schritte klein sind, sind die Veränderungen für die Menschen hier doch zu groß, um derartig verleugnet zu werden. Ein Schritt nach vorn kann schon mit ein klein bisschen mehr Wahrheit beginnen - hier sind es kleine Wahrheiten in euren Köpfen!
Eine gute Nacht,
Wanda
Montag, 13. Mai 2013
Sonntag, 7. April 2013
Doch, ich arbeite - Teil 1
Schon oft wurde ich gefragt: ''Sag mal,
arbeitest du überhaupt???'' und für diejenigen von euch, die
aufgrund zu vieler Strandbilder mit bilderbuchblauem Meer im
Hintergrund zu ähnlicher Ansicht gekommen sind, dieser Eintrag:
Doch, ich arbeite!
Nebenbei mach ich Fotos, die die Musikschule für ihre diversen
Publikationen verwendet, entwerfe
Aushänge für Konzerte oder schmücke den Eingang anlässlich von
Feiertagen, Festen und ''Jahreszeiten''.
Ich lasse Alejandro erst einmal das
ganze Stück vorspielen. Dann spielt er nur den einen schwierigen
Takt. Ich erkläre ihm, warum der Rhythmus falsch ist und spiele ihm
selbst den Takt vor. Er nickt fleißig und spielt den Takt wieder
falsch. Ich lasse ihn verschiedene Noten-Kombinationen einzeln
spielen und hundertmal wiederholen. Danach spielt er den Takt wieder
20 Mal falsch. Dann spielt er ihn richtig - ich juble!!! Die nächsten
10 Mal spielt er ihn wieder leicht unrhythmisch. Egal- irgendwie
haben wir doch was geschafft diese Stunde. Und vielleicht spielt er
nächste Stunde den Takt ja zweimal richtig.
Ich habe einmal ganz am Anfang eine
Seite angelegt, die sich ''Mein Projekt'' nennt (oben in der Leiste
zu finden). Allerdings hat sich seit dem viel geändert und
mittlerweile zähle ich noch ein anderes Projekt zu den meinen, das
mir nicht offiziell zugeteilt wurde, sondern mir mit all seinem
Charme und lieben Menschen über den Weg gelaufen ist...
Beginne ich mit der Musikschule, der
''Compañia Filarmonica de los Andes'', die mein offizielles
AFS-Projekt ist. Viermal die Woche bin ich dort nachmittags bis
abends, nur Freitag fange ich schon morgens um 9 an und hab so einen
freien Nachmittag. Gibt es Samstags Konzerte, muss ich auch da
manchmal helfen.
Meine Arbeit an sich lässt sich schwer
mit einem Begriff beschreiben - vielleicht noch am besten mit
''Mädchen für alles''. Ich habe schon Verlängerungskabel mit
Heißklebepistole an Leisten geklebt, Notenlinien auf großen
Schultafeln mit Acrylfarbe nach gemalt (so 3 Wochen ungefähr), weiße
Farbe von Holzrahmen abgeschabt und mit Sandpapier nach poliert und
unzählige Notenübersichten und Rhythmusspiele (natürlich auf
spanisch) gemalt, gebastelt & geklebt.
Mein ''neustes Projekt'' ist der
Modellbau eines kleinen Dorfes mit 14 Miniaturhäusern, 28 Treppchen
und 3 Straßen auf einem Spielfeld der Größe A1 ungefähr, das
Kindern das Lernen der Dur- und Moll-Tonarten erleichtern soll.
Nichts leichter als das - außerdem muss es natürlich
zusammenklappbar sein. Ich habe viel Zeit und ''paciencia''
(Geduld)...
Nebenbei mach ich Fotos, die die Musikschule für ihre diversen
Publikationen verwendet, entwerfe
Aushänge für Konzerte oder schmücke den Eingang anlässlich von
Feiertagen, Festen und ''Jahreszeiten''.
Ein mal in der Woche habe ich eine
Stunde mit meinem Klavierschüler Alejandro.
Alejandro ist 32 Jahre alt und lernt
schon seit ungefähr 20 Jahren Klavier und Gesang in der Filarmonica.
Wenn ich Dienstagnachmittag um zwanzig nach 2 in die Musikschule
komme - <<Ya te volviste colombiana!>> bekomme ich
allerorts zu hören (''Du bist schon richtig kolumbianisch
geworden!'') - kommt meine Chefin aus dem Unterrichtszimmer,
schüttelt den Kopf und sagt ''Wanda, ich kann nicht mehr. Du bist
dran.''. Als ich mich neben Alejandro ans Klavier setze, lächelt er
nur entschuldigend und schaut auf die Noten die vor ihm stehen. Nun
wahrscheinlich schon seit einem Monat dieselbe Seite. Meine Chefin,
und gleichzeitig Klavier-, Gesangs- & Musiktheorielehrerin der
Musikschule, zeigt mir welche Takte nicht gut klingen und welche
Tonleiter wir üben sollen. Dann ermahnt sie meinen Schüler
''juicoso'' (vernünftig, brav) zu sein, wünscht mir viel Glück und
verlässt das Zimmer.
Was für eine Krankheit Alejandro genau
hat weiß ich nicht. Meine Chefin hat mir einmal erklärt, er würde
7mal so lange brauchen um etwas zu lernen wie ein Mensch mit
durchschnittlicher Lernfähigkeit. Oft erstaunt mich aber am meisten
seine eigene Geduld. Manchmal ist er ein bisschen wie ein kleiner
Junge, aber er beschwert sich nie, wenn ich ihn 10 Minuten lang die
gleichen 3 Noten spielen lasse. Auf Leute, die ihn nicht kennen,
wirkt er wie ein ''normaler'' junger Mann, sehr ruhig, ein bisschen
langsam, ein bisschen schusselig. So weit ich weiß, verdient er auch
selbst Geld mit dem Verkauf von Perfums, davon leben kann er aber
wohl eher nicht. Seine Freizeit verbringt er größtenteils bei uns –
übt Klavier, singt oder... lernt Deutsch in meinem Kurs.
Jeden Dienstag- und jeden Mittwochabend
kommen außer Alejandro noch 4-5 weitere Schüler in die Filarmonica
um in meinem Kurs deutsch zu lernen. Warum? Ich habe keine Ahnung!
Tatsache ist, dass alle meine Schüler freiwillig kommen und lernen.
Wenige haben schon bei meinen deutschen
Vorgängern ein wenig gelernt – für andere ist die deutsche
Sprache nicht mehr als ein fremdes Phänomen. Und ich gebe zu –
auch mir wird sie immer fremder. Nicht nur durch die fehlende Übung;
um so mehr ich mich in grammatische Strukturen vertiefe, um meinen
Schülern logische Antworten zu geben, um so unsinniger scheint mir
diese Sprache zu sein. Mein Kurs ist gerade mal ganz am Anfang aller
Grammatik und doch stolpere ich schon über mir völlig unklare Dinge
- wie zum Beispiel dem Akkusativ. Warum brauchen wir denn überhaupt
Fälle??? Dazu kommt, dass ich meinen Schüler meistens erst einmal
die spanische Sprache erklären muss, um dann einen logischen Bezug
zur deutschen Grammatik zu schaffen. Denn so wenig wie ich meine
eigene Sprache in ihrer Theorie verstehe, so fremd ist meinen
kolumbianischen Schülern ihre eigene ''idioma''.
Alejandro hat außerdem ein Hang zum
Italienischen – so ist das Sprachchaos perfekt!
Noch schwieriger als die Grammatik -
mit der sie sich ja eigentlich noch gar nicht beschäftigen sollen -
ist die Aussprache, die kann man nämlich nicht umgehen. Das
anfängliche ''Eins-Zwei-Drei-Bier-...'' ist mittlerweile sogar schon
fast verschwunden (Erklärung: 'b' und 'v' werden im Spanischen meist
gleich ausgesprochen, oft mit Hang zum 'b'), Wörter mit 'ü' und 'ß'
sorgen immer noch für Verwirrung.
Und doch - wenn einer meiner Schüler
sagt: ''Mir gefällt es Klavier zu essen'' und alle anderen sich 10
Minuten vor lachen nicht mehr einkriegen, dann weiß ich – sie
haben begonnen, die Sprache zu verstehen. Genauso schön ist es auf
der Treppe von einem meiner Schüler mit ''Guten Tag, Wanda'' begrüßt
und ''Auf Wiedersehen'' verabschiedet zu werden. In den paar Monaten,
die mir noch bleiben, werden sie vielleicht nicht lernen Deutsch zu ''reden'',
aber sie werden am Ende gelernt haben, dass es in Deutschland weder
Arepas noch Empanadas gibt, dafür aber die leckerste Schokolade der
Welt! Sie werden wissen, dass es ein Unterschied zwischen Bier und
der Zahl 4 gibt und Dinge, die sich ''Fälle'' nennen, die aber nicht
mal die Deutschen selbst verstehen und richtig anwenden.
Und sie werden ein paar Sätze sagen
können, manche einfacher, manche sogar schon komplexer, und damit
vielleicht eines Tages einen Deutschen überraschen, der ihnen über
den Weg läuft!
ENDE TEIL 1
Samstag, 9. März 2013
''Zwei deutsche Geiseln wieder frei''
... ich bin sicher, dass die Entführung der 2 deutschen Rentner durch die ELN hier in Kolumbien bei euch in Deutschland genau so ein großes Thema war wie hier. Seit dem Anfang Februar die Entführung und einige Informationen zu den Entführten bekannt geworden sind und das Thema mehrere Tage die Nachrichten hier mitbestimmte, hab ich nichts weiter mehr finden können zum Verlauf der Verhandlungen über ihre Freilassung außer der Weigerung der ELN die beiden Deutschen freizulassen aufgrund der Verdächtigung als ''Spione'' des deutschen Staates.
Gestern fand nun wohl die Übergabe der Beiden an das Rote Kreuz statt. Ich wurde durch einen anderen Freiwilligen auf einen Artikel über die Befreiung aufmerksam gemacht und wollte ihn euch hier zeigen - für diejenigen die es genau so interessiert und es bis jetzt nicht mitbekommen haben. Ich konnte im Netz so gut wie keine weitere Berichterstattung finden, also denke ich, dass auch bei euch noch nicht mehr bekannt geworden ist.
Hier der Link zum deutschen Artikel:
http://www.faz.net/aktuell/kolumbien-zwei-deutsche-geiseln-wieder-frei-12108114.html
Ich hoffe euch geht es allen gut,
Wanda
Gestern fand nun wohl die Übergabe der Beiden an das Rote Kreuz statt. Ich wurde durch einen anderen Freiwilligen auf einen Artikel über die Befreiung aufmerksam gemacht und wollte ihn euch hier zeigen - für diejenigen die es genau so interessiert und es bis jetzt nicht mitbekommen haben. Ich konnte im Netz so gut wie keine weitere Berichterstattung finden, also denke ich, dass auch bei euch noch nicht mehr bekannt geworden ist.
Hier der Link zum deutschen Artikel:
http://www.faz.net/aktuell/kolumbien-zwei-deutsche-geiseln-wieder-frei-12108114.html
Ich hoffe euch geht es allen gut,
Wanda
Donnerstag, 7. März 2013
Zwischen Reisen und Bleiben, zwischen Bald und Jetzt - Lebenszeit
Manchmal rennt
die Zeit vorbei, manchmal fliegt sie über mich hinweg, in wenigen
Momenten läuft sie neben mir her und manchmal schleicht sie sogar
hinterher- ganz manchmal...
Ich habe eine neue Familie - eine wunderbare, liebe, großzügige und herzliche kolumbianische Familie und einen tollen Golden Retriever!
<-- Ich, meine Gastmutter Susana, mein Gastvater Ricardo & mein Gastbruder José Daniel (meine Gastschwester Natalia studiert in Italien)
Besitos y abrazos para todos,
eure Wanda
In den letzten 2
Monaten, in denen diese Seite zum Bedauern vieler – auch meinem –
immer gleich aussah, ist die Zeit so gedüst, dass ich gar nicht weiß
wo sie geblieben ist - und jetzt sitze ich hier und google ''die Zeit
rennt vorbei'' weil ich mir nicht mehr sicher bin, ob es diesen
Ausdruck auf deutsch überhaupt gibt oder ob er nur ein kreatives
Produkt meines Kopfes ist, der mittlerweile keine einzige Sprache
mehr richtig beherrscht.
Deutsch
war einmal - das bekomme ich nun öfter zu spüren, wenn ich meinen
eifrigen 7 Schülern meines neuen Deutschkurses in der Musikschule
zum Beispiel die simpelsten Sätze beibringen will und bei der
Altersangabe stutze, weil ich 2 Minuten darüber nachdenken muss, ob
Deutsch diese Ausnahmesprache war, in der man das Alter nicht ''hat''
sondern ''ist''. Jaja Wanda – deutsche Sprache, schwere Sprache.
Ich bete inständig, dass wir es nie bis zur grammatischen Struktur
dieser Sprache schaffen!!!
Dann
war da Französisch – ich hoffe es erinnert sich keiner mehr, dass
ich das damals... lange her... in alten Zeiten...
alsLeistungskursinderSchulehatte. Schon Geschichte, ich halte mich an
das, was ich damals meiner Mutter nach einem Jahr Unterricht in
unserem ersten Frankreich-Urlaub eingebläut habe: ''Je ne parle pas
francais!'' … Und dann Englisch - die all you can speak
Sprache für jedermann. Zwischen Freiwilligen verschiedener Herkunft
nur als nicht besonders schön klingende Mischung mit Elementen der
spanischen, eigenen und natürlich englischen Sprache zu hören. Übt
den Kopf - aber macht ihn auf längere Sicht doch mürbe.
Vergessen wir zuletzt nicht Spanisch -
mein Leben, meine Liebe... :) Während mein Deutsch abwärts geht
(wenn's keiner hier bemerkt – um so besser; jeder 3. Satz bedarf
einer Google-Suche), erweitert sich mein Spanischwissen von Tag zu
Tag. Das eine sinkt, das andere steigt - ich hänge irgendwo in der
Mitte. Aber ich muss sagen, da geht es mir nicht mal schlecht.
Manchmal kommt man irgendwann und irgendwo an diesen Punkt, wo es
einem da besonders gut geht, wo es nicht perfekt ist. Oder jedenfalls
nicht perfekt nach dem, was man erwartet hat. Und dann packt man
seine Erwartungen weg (natürlich nur bis zum nächsten Mal) und gibt
zu, dass es einem einfach gerade gut geht.
¿Qué
pasó? Jaaa, was ist passiert? Viel.
Ich
fange an... mit dem Schnipsel eines Blogeintrags vom 24. Dezember
2012. Stellt euch vor, am 24. Dezember wollte ich euch einen Eintrag
schreiben. Naja, ich bin leider nicht über den Anfang
hinausgekommen. Aber er soll reichen für den Zwischenreport:
''Ich packe
meinen Koffer und nehme mit...
In meine Fall
hieß das leider ''alles''. Nein, als ich am letzte Donnerstag
(20.12.) nur jede erdenkliche Art von Stauraum-beinhaltenden
''Gefäßen'' (sprich; Koffer, Backpack-Rucksack, Tüten, Taschen und
ähnliches) in meinem Zimmer zusammensuchte, wollte ich nicht für
eine Reise packen. Ich war quasi die letzte in der Runde bei dem
Spiel ''Ich packe meinen Koffer und nehme mit'' und musste mich an
alles erinnern was je im Koffer nach Kolumbien gekommen war bzw. mit
der Zeit so auf die ein oder andere Weise seinen Weg in mein Zimmer
gefunden hat...
Manche haben
es vielleicht schon direkt von mir erfahren, andere von wieder
anderen - deshalb möchte ich es hier nur kurz ansprechen: Ich bin
also letzten Donnerstag mit Sack und Pack bei meiner Gastfamilie
ausgezogen und wohne nun bei einer Freundin bis Januar. Dann werde
ich in meine neue Gastfamilie wechseln, in der ich dann auch bis
August 2012 bleibe.
An
dieser Stelle: Muchisimas gracias a Jorge y Johanna que me recibieron
en su casa, que yo tenía la posibilidad de ser un parte de la
familia para estos 4 meses. Que me abrieron su puerta para conocer la
vida familiar en Colombia y para conocer a mucha, muy buena gente
como todas mis tías / mis tíos, mis hermosos primos y mi Mama
Concha. ¡Gracias a todos!
So sind die letzten
Vorweihnachts-Tage verstrichen; zwischen Koffer packen, Novenas
feiern, Geschenke verteilen und den Weltuntergang im Jacuzzi erwarten
ist die Zeit so schnell vergangen, dass ich innerlich noch gar nicht
am 24. Dezember angekommen bin. Und ich weiß nicht mal, wo ich
anfangen soll, euch über mein Leben hier im
weihnachtlich-kitschig-beleuchteten Bogotá zu berichten. Und
wahrscheinlich warten auch viele noch auf einen ausführlichen
Abenteuerbericht über den Amazonas - da muss ich euch enttäuschen,
der muss noch warten.''
Im Schnelldurchlauf
sah meine Zeit danach so aus (ausführliche Berichte folgen): 10 Tage
Luxusurlaub in Cartagena und auf Barú im Hotel und am Pool mit
meiner Freundin und ihrer Familie, 12 Tage Backpacker-Reise mit 5
anderen Freiwilligen entlang der Karibikküste, Umzug in meine neue
Gastfamilie, Arbeiten (doch mal wieder...), eine Woche Midstay-Camp
auf einer Finca in Fusagasugá mit 30 meiner Mitfreiwilligen, 19.
Geburtstag...
An
dieser Stelle ein ganz liebes Dankeschön an alle, die an diesem Tag
/ zu diesem Anlass an mich gedacht, geschrieben, mir gratuliert und
Grüße geschickt haben in allen Formen!!! Mir bedeutet es
viel, zu wissen, wer in der weiten Ferne an mich denkt. Mil gracias
<3
Jetzt bin ich also 19... manche sagen:
im 20. Lebensjahr. Uhh, da kribbelts – ohne jemandem nahe treten zu
wollen, für mich klingt das dann doch schon ein bisschen zu alt. Ich
bin mit der Zahl 19 ganz zufrieden - wieder so ein Ding in der
Mitte: mit 18 hat man es grad so in die Volljährigkeit geschafft,
mit 20 tritt man schon wieder in eine andere Dekade und einen anderen
Lebensabschnitt ein.
Passend zum jung und alt habe ich an
meinem Geburtstag die neuen AFS-Freiwilligen begrüßt - und mich
daran erinnert, wie auch wir ''damals'' vor einem halben Jahr
schüchtern und staunend in diesem Land angekommen sind, alle noch
ein bisschen jünger, alle noch ein bisschen unwissender. Nicht lang
her scheint dieser Moment zu sein; ich erinnere mich noch ziemlich
genau an das erste Bild als wir aus dem bogotaner Flughafen traten:
chaotischer Verkehr, viele Taxis. Und doch, wie viel habe ich erlebt
seit diesem Moment – ich war am südlichsten und am nördlichsten
Punkt Kolumbiens. Und nun gehöre ich schon zu den ''alten'' Afs-lern
und muss mit einem Staunen auf den Lippen und Tränen in den Augen
zugeben: Halbzeit.
Seit dem mein Abflugdatum feststeht
(20. August 2013), ist zu diesem momentanen ''Mir-gehts-gut'' noch
ein kribbeliges ''Aber-ich-will-doch-noch-so-viel-machen''
hinzugekommen. Und das treibt mich voran...
Ich habe eine neue Familie - eine wunderbare, liebe, großzügige und herzliche kolumbianische Familie und einen tollen Golden Retriever!
<-- Ich, meine Gastmutter Susana, mein Gastvater Ricardo & mein Gastbruder José Daniel (meine Gastschwester Natalia studiert in Italien)
Ich hab neben meinem offiziellen
AFS-Projekt ein anderes, wirklich ''soziales'' Projekt, dass ich mir
zusammen mit einer anderen Freiwilligen ''gesucht'' habe und was mir
so viel gibt, wie ich nie erwartet hätte.
Ich habe – jetzt kommt's – mich im
Fitnessstudio angemeldet. Wanda goes McFit - nein Spaß, vor allem
kann ich nicht nach Deutschland zurück kommen ohne all diese
wunderbaren Rhythmen hier tanzen zu können - von Salsa über
Merengue bis hin zu Vallenato und Bachata; jeden Montag werde ich
mich jetzt als Europäerin in einem Saal voller Kolumbianerinnen
bloßstellen, denen das tanzen beigebracht wurde, bevor sie laufen
konnten. Und das sagt man nicht nur so...
Von zwei Dingen kann ich behaupten,
dass sie jedem Kind hier beigebracht werden: Tanzen und Feiern!
Damit schließe ich für heute mit
meinem Bericht von Altem und Neuem aus meinem Leben in diesem
wunderbaren Land (das leider nichtsdestotrotz viele Probleme hat) und
verspreche euch folgende Berichte zu vergangenen Reisen und aktuellen
Momenten.
Besitos y abrazos para todos,
eure Wanda
Dienstag, 25. Dezember 2012
¡Feliz Navidad!
... oder ''Frohe Weihnachten'' wünsch euch allen noch. Ich hoffe ihr hatten einen schönen Heiligabend in Mitten eurer Liebsten und genießt die letzten Weihnachtstage!
Mein 24. Dezember hätte auf der einen Seite nicht unterschiedlicher, chaotischer, ungeplanter und irgendwie auch unweihnachtlicher als das gewohnte ''deutsche Weihnachten'' sein können, auf der anderen Seite hätte ich nicht deutlicher erfahren können, wie groß an Weihnachten ganz kleine Freuden sein können und was es an einem solchen Tag bedeutet, Familie zu haben... oder eben nicht.
Und man beginnt, darüber nachzudenken, für wie viele Leute auf dieser Welt der 24. Dezember ein Tag wieder jeder andere ist, weil sie kein gemütliches Heim und keinen Weihnachtsbaum - egal ob aus Plastik oder echt - haben. Oder für wie viele Menschen dieser Tag noch trauriger ist als alle anderen, weil sie ein Heim und vielleicht auch einen Baum, aber keine Familie um sich haben.
Genau das habe ich gestern in den Gesichtern vieler Frauen gesehen und in den Tränen ihrer Kinder, die manchmal nicht wussten, ob sie lachen sollten, über die Geschenke, die wir ihnen in die Hände drückten, oder weinen darüber, dass sie Weihnachten diesmal ohne ihren Vater feiern würden. Denn all diese Mütter mit ihren Babys auf dem Arm, den Kleinkindern an der Hand oder schon fast erwachsenen Jugendlichen kamen gerade aus dem Establecimiento Carcela ''La Modelo'', einem reinen Männergefängnis in Bogotá, in dem die Insassen darauf warten, ein Gerichtsurteil zu bekommen.
Diese traurigen Gesichter haben auch mich teilweise traurig gemacht, aber gleichzeitig war es die reinste Freude dem Lachen der Kinder zu lauschen, die ihren Augen kaum trauen konnten als sie in ihre vollgepackten Geschenktüten schauten. Ich kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie ihr Leben zur Zeit aussieht, wie sie ohne einen arbeitenden Vater über die Runden kommen und wie schwer es sein muss, ihn nur für ein paar Stunden in diesem grauen Gebäude besuchen zu können. Aber ich habe ihre Freude und Überraschung gesehen, als sie am Ausgang plötzlich einer großen Menge lachender Menschen und einem bunten Haufen Geschenke gegenüber standen. Und diese kleinen Freuden mögen ausgereicht haben, um auch für diese ''halben'' Familien den gestrigen Tag zu einem besonderen Tag zu machen... und genau das hat den Tag auch für mich besonders gemacht und mich um so mehr gelehrt, am späteren Abend die riesige Familie von fast 40 Leuten um mich herum sehr zu schätzen und zu genießen!
In Gedanken bin ich auch bei euch, meiner Familie in Deutschland & meinen Freunden zu Hause, und bei denen, die wie ich die weite Welt gesucht haben und ihren Tag gestern eben so anders und neuartig erlebt haben.
Euch allen: Wunderschöne Weihnachten!
Es grüßt euch übers Meer
eure Wanda
Mein 24. Dezember hätte auf der einen Seite nicht unterschiedlicher, chaotischer, ungeplanter und irgendwie auch unweihnachtlicher als das gewohnte ''deutsche Weihnachten'' sein können, auf der anderen Seite hätte ich nicht deutlicher erfahren können, wie groß an Weihnachten ganz kleine Freuden sein können und was es an einem solchen Tag bedeutet, Familie zu haben... oder eben nicht.
Und man beginnt, darüber nachzudenken, für wie viele Leute auf dieser Welt der 24. Dezember ein Tag wieder jeder andere ist, weil sie kein gemütliches Heim und keinen Weihnachtsbaum - egal ob aus Plastik oder echt - haben. Oder für wie viele Menschen dieser Tag noch trauriger ist als alle anderen, weil sie ein Heim und vielleicht auch einen Baum, aber keine Familie um sich haben.
Genau das habe ich gestern in den Gesichtern vieler Frauen gesehen und in den Tränen ihrer Kinder, die manchmal nicht wussten, ob sie lachen sollten, über die Geschenke, die wir ihnen in die Hände drückten, oder weinen darüber, dass sie Weihnachten diesmal ohne ihren Vater feiern würden. Denn all diese Mütter mit ihren Babys auf dem Arm, den Kleinkindern an der Hand oder schon fast erwachsenen Jugendlichen kamen gerade aus dem Establecimiento Carcela ''La Modelo'', einem reinen Männergefängnis in Bogotá, in dem die Insassen darauf warten, ein Gerichtsurteil zu bekommen.
Diese traurigen Gesichter haben auch mich teilweise traurig gemacht, aber gleichzeitig war es die reinste Freude dem Lachen der Kinder zu lauschen, die ihren Augen kaum trauen konnten als sie in ihre vollgepackten Geschenktüten schauten. Ich kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie ihr Leben zur Zeit aussieht, wie sie ohne einen arbeitenden Vater über die Runden kommen und wie schwer es sein muss, ihn nur für ein paar Stunden in diesem grauen Gebäude besuchen zu können. Aber ich habe ihre Freude und Überraschung gesehen, als sie am Ausgang plötzlich einer großen Menge lachender Menschen und einem bunten Haufen Geschenke gegenüber standen. Und diese kleinen Freuden mögen ausgereicht haben, um auch für diese ''halben'' Familien den gestrigen Tag zu einem besonderen Tag zu machen... und genau das hat den Tag auch für mich besonders gemacht und mich um so mehr gelehrt, am späteren Abend die riesige Familie von fast 40 Leuten um mich herum sehr zu schätzen und zu genießen!
In Gedanken bin ich auch bei euch, meiner Familie in Deutschland & meinen Freunden zu Hause, und bei denen, die wie ich die weite Welt gesucht haben und ihren Tag gestern eben so anders und neuartig erlebt haben.
Euch allen: Wunderschöne Weihnachten!
Es grüßt euch übers Meer
eure Wanda
Montag, 17. Dezember 2012
Eine mitternächtliche Dankesmeldung
...widme ich meiner genialen Familie in Deutschland- DANKE, für euer Päckchen. Ich hab es vor ein paar Stunden von Janai erhalten und mich sehr über alle kleinen und vor allem sehr großen Geschenke gefreut :D.
Danke, liebe Inge & lieber Uwe, für eure lieben Briefe!
Danke, meine liebes Schwesterlein, für das süße Täschchen und das schöne Buch!
Danke, Mama und Jens, für diese großartige Erfüllung eines fast nie ausgesprochenen Wunsches! Ich würdige sie mit einem Foto von meiner kleinen Hermanita Sara:
Und mein letzter Dank geht an Janai, die mir all diese Wunderdinge nach Kolumbien gebracht hat!
Ich wünsch euch allen eine wunderschöne Nacht,
eure Wanda
Danke, liebe Inge & lieber Uwe, für eure lieben Briefe!
Danke, meine liebes Schwesterlein, für das süße Täschchen und das schöne Buch!
Danke, Mama und Jens, für diese großartige Erfüllung eines fast nie ausgesprochenen Wunsches! Ich würdige sie mit einem Foto von meiner kleinen Hermanita Sara:
Und mein letzter Dank geht an Janai, die mir all diese Wunderdinge nach Kolumbien gebracht hat!
Ich wünsch euch allen eine wunderschöne Nacht,
eure Wanda
Samstag, 1. Dezember 2012
In luftigen Höhen und schlammigen Tiefen
Meine Uhr zeigt
10:39, darunter steht neben Berlin 16:39, in Athen ist es mit 17:39
noch eine Stunde später, in Canberra hat der neue Tag sogar schon
angefangen - in Vancouver dagegen schlafen manche Leute um 7:39 noch.
Zurück in San Gil blieb uns noch Zeit für
einen Besuch im Parque Natural ''El Gallineral'', einem Park voller
unterschiedlicher Pflanzen und Bäume. Bekannt ist er aber vor allem
für die riesigen Bäume von deren Äste seltsame graue Flechten
hängen und sie wie Urgroßväter aussehen lässt.
Aber
egal wie spät es grad überall auf der Welt sein mag - die
Weihnachtszeit beginnt! Mama, Jens und Mathilda machen sich
grad auf den Weg zum Adventskranzbinden und erzählen vom
Weihnachtsmarkt. Und ich bekomme schreckliches
Vorweihnachts-Heimweh... Hier wird schon seit ein paar Wochen
Weihnachtsschmuck aller Art im Großeinkauf geshoppt und vorgestern
hat auch meine Familie den Weihnachtsbaum aufgestellt. Vor
lila-glitzernden Schleifen, Blumen und Schmetterlingen sieht man
allerdings kaum noch was von dem authentischen Plastikbaum, der aus
ansteckbaren Zweigen besteht. Im Vergleich zu dem was andere
Bogotanos an blinkendem Lichterschmuck an den Fassaden ihrer Häuser
auffahren ist das aber garnichts.
Selbst im heißen Girardot stehen neben
dem Pool zwei hell leuchtende Rentiere die in einem Anflug von
Monotonie den Kopf auf und ab, oder nach rechts und links bewegen.
Und auch wenn es hier keinen Schnee gibt - schnief, Weihnachten ohne
Schnee :( - sieht man aller Orts große, beleuchtete Schnekristalle;
was man nicht hat, macht man sich einfach selber!
Und trotz diesem beginnenden
Vorweihnachtsspektakel - es hat noch längst nicht seinen Höhepunkt
erreicht denk ich – freu ich mich unglaublich auf meine nächste
Woche außerhalb von Bogotá... am Montag fliegt mein Flugzeug
Richtung Süden nach Leticia und noch am selben Tag heißt es: ab
geht’s in den AMAZONAS!!!
Und ich dachte, ich kann euch nicht so
ungewiss zurücklassen und sollte nochmal kurz ein bisschen was von
meinen letzten Reisen erzählen, im Moment ist Bogotá nämlich eher
so mein Zwischenstop. Denn die Zeit rennt, jetzt bin ich schon 3
Monate hier und will noch so viele schöne Ecken Kolumbiens
entdecken.
Vor 3 Wochen bin ich mal eben übers
lange Wochenende weggefahren- dazu muss ich sagen, übers Wochenende
wegfahren heißt hier auch 8h mit dem Bus hin und zurück. Das hat
zwei Gründe: zum einen kostet hier so eine Reise nicht die halbe
Monatsmiete wie mit der DeutschenBahn in Deutschland sondern zum
Beispiel nach San Gil gerade mal 70.000$ hin und zurück (30€) und
zum anderen ist Kolumbien mit ungefähr 1.138.748 km² dreimal so
groß wie Deutschland, hat aber nur die Hälfte an Einwohnern, was
bedeutet, dass Entfernungen hier eine ganz andere Dimension haben.
| die Dächer von San Gil |
Also haben wir 6 Mädels aus Bogotá
und Umgebung uns am Freitag, den 9.11., morgens halb 4 in ein Taxi
gesetzt um halb 5 in einen kleinen Bus nach San Gil zu steigen. Dabei
hab ich den sehr dummen Fehler begangen die letzte Reihe wegen viel
Platz zu wählen - tja, schlafen konnte ich bei dem Gehopse
vergessen, außerdem habe ich das Augenschließen nach mehreren sehr
schmerzhaften Begegnungen meiner Nase mit dem Gardinenhaken neben
mir an der Wand aufgegeben. Aber nach einer erstaunlich kurzen Fahrt
von knapp 7h kamen wir Mittags in San Gil, einer kleinen Stadt 400km
nordöstlich von Bogotá an - naja, klein im Gegensatz zu dieser
gigantischen Hauptstadt. San Gil zeichnet sich einerseits durch eine
sehr angenehme warme Temperatur aus (Hauptkriterium bei all meinen
Reisen!!! irgendwie muss ich ja diese graue Regenzeit überstehen),
andererseits durch die vielen Extremsportarten die man in der
Umgebung machen kann, auch Hauptgrund unserer Reise. Zur Beruhigung
meiner Großeltern gleich vorne weg: Bungee Jumping kam für mich
nicht in Frage und Fallschirmspringen hatten sie leider nicht :).
Erlebt haben wir trotzdem genug. Den
Freitagnachmittag verbrachten wir nur mit einer gemütlichen Tour
durch die Stadt und einem Festmahl der ''Delikatesse'' Santanders
(das Departamento in dem San Gil liegt): Hormigas, zu deutsch
''Ameisen''! Es gibt sie dort als Ohrringe, Ketten,
Schlüsselanhänger, auf T-hirts und Taschen... und in Tüten zum
essen. Sie sind leider auch nicht so klein wie in Deutschland sondern
ordentliche Brummer, aber hart und knusprig wie Erdnüsse und mit
Salz bestreut. Und ja, ich weiß das weil ich auch eine gegessen hab
:), erst habe ich mich standhaft geweigert - um mir dann doch unter
Gänsehaut eine in den Mund zu stecken. Ihr werdet euch hier bald an
einem schönes Video von mir bei diesem zweifelhaften Vergnügen
erfreuen können.
Der Samstag begann dann aber mit einer
ganz anderen Art der Herausforderung - erste unserer drei
Abenteuer-Etappen: die Tour durch die Cueva de la Vaca (die
''Kuh-Höhle'') in Curiti, die ihren Namen auf Grund dem
bedauernswerten Schicksal der Kühe hat, die in den Eingang dieser
Höhle auf ihrer Weide gestürzt sind. Heute gibt es davor ein Tor.
Ausgerüstet mit kurzen Klamotten,
einem Helm mit Stirnlampe und sehr stylischen Wasserschuhen (á la
''das Sams'') ging es unter die Erde, in schlammiges Wasser und
beeindruckende Höhlen. Die Tour an sich lässt sich kaum beschreiben
- man muss sie einfach erleben. Allerdings sollte man sich vorher
genauestens überlegen, ob man sich wirklich da rein wagt. Für Leute
mit Platzangst absolut nicht zu empfehlen, und für Leute die ihren
Kopf nicht gern unter Wasser haben (so wie ich) eigentlich auch
nicht... die erste und größte Herausforderung wartete nämlich
schon in der dritten Höhle auf uns - und ich war dummerweise die
Erste -, tief einatmen, unter Wasser tauchen und ungefähr 5 Sekunden
unter der Felswand hindurch auf die andere Seite tauchen. Nichts
leichter als das - leider und wunderlicherweise wollte sich keiner
freiwillig melden und so trat ich als erste die Unterwasserreise an.
Außer einem blauen Fleck auf dem Nasenrücken habe ich sie hin und
auch zurück gut überstanden :).
Nach einer Dusche aus dem Schlauch um
auch die letzten Schlammflecken hinterm Ohr weg zu bekommen ging es
schon weiter: Paragliding!
| Das bin ich bei der Schraube :) |
Dazu kann man eigentlich nicht viel sagen
- besonders viel Überwindung braucht es gar nicht finde ich, denn
sobald man in die Seile geschnallt und auf den Sitzsack gesetzt wird, kann
man sowieso nichts mehr machen. Und ehe man es sich versieht ist man
in der Luft und hält beim Anblick der Weite unter sich den Atem an.
Sehr beeindruckend!!! Und wer sich traut, bekommt am Ende noch eine
schwindelerregende Schraube - dabei hat es mir dann
doch buchstäblich
den Magen umgedreht.
Sonntagmorgen dann unser letztes
Vorhaben in Richtung Extremsport: Torentismo. Ich weiß dafür leider
kein deutsches Wort, man kann es wohl ''Abseilen an Wasserfällen''
nennen.
Mit dem Bus sind wir nach Charala zur
Cascade de Juan Curi. Nach einem 30minütigen Aufstieg durch einen umwerfenden Dschungel von exotischen Pflanzen, riesigen Bäumen
und Flechten, standen wir plötzlich auf einem weitläufiges Plateau
auf der Hälfte des Wasserfalls vor einem Naturschauspiel, das im
Katalog nicht halb so beeindruckend aussieht... eine Kaskade aus
herabstürzendem Wasser.
Und nach einer sehr kurzen Einführung
bekamen wir mal wieder Helme aufgesetzt, einen Gurt um die Beine und
die Hüfte und einen Handschuh an die linke Hand. Und dann stand ich
schon an der Kante, kletterte über die Seilsicherung und hing
plötzlich an einer fast senkrechten Felswand inmitten spritzendem
Wasser. Der Abstieg dauert, je nach Schnelligkeit des Kletterers,
leider nur 5-10min. Dafür erwarten einen unten traumhafte kleine
Wasserbecken mit Sprudeln und einer Natur wie aus dem Dschungelbuch.
Noch ziemlich durchnässt stiegen wir
am frühen Nachmittag wieder in den Bus zurück nach San Gil. Nach
einer kleinen Verschnaufpause in unserem wunderschönen kleinen
Hostel mit Dusche unter freiem Himmel noch eine letzte Tour nach Barichara,
einem Dorf, das für seine romantische Schönheit bekannt ist. Viele
kleine weiße Häuser, Blumenranken in kräftigem lila und kleine
Läden voller Artesanías... Und wie klein die Welt doch ist, dachten
wir mal wieder als wir beim Kaufen der Bustickets zurück auf eine
andere Gruppe deutscher Jugendliche stießen, die ebenfalls als
Freiwillige in Kolumbien waren – aber es waren nicht nur
''irgendwelche Deutschen'': das eine Mädchen kam auf uns zu und
meinte mit großen Augen ''Sophie???''. Die beiden hatten sich bei
einem Auswahlwochenende von AFS vor gut einem Jahr in Deutschland
getroffen :).
Damit ging unsere Reise leider auch
schon wieder ihrem Ende zu, Montagmorgen stiegen wir wieder in den
Bus und waren am frühen Nachmittag im grauen, nassen Bogotá...
Dabei fällt mir auf, dass ich euch
eigentlich mal einen Alltags-Post schulde – schließlich spielt
sich meine Leben zwischen den Reisen doch auch in dieser Großstadt
hier ab. Dazu mehr wenn ich nächste Woche wiederkomme - aber erst
mal heißt es 5 Tage Amazonas: Dschungel, Schlamm, Mosquitos,
Piranhas- ICH KOMME!!!
Abrazos y Besitos para todos,
que estén bien- Wanda
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