''Das Geheimnis ist, ohne die Antwort zu leben''

Montag, 13. Mai 2013

Indignada... Empört...

...bin gerade erst vor einer Stunde aus meinem verlängerten Wochenende wiedergekommen und komme deshalb erst jetzt - ein paar Tage später - zu einer kleinen Richtigstellung einer großen Sache. Einer Sache, die, auch wenn nicht unbedingt völlig unerwartet, mich doch unglaublich empört hat.

Mit meinem Blog möchte ich vor allem kleine Funksignale an meine Familie und Freunde zu Hause, oder woanders in der weiten Welt, senden; ''Hallo, ich lebe noch und mir geht's gut''. Ich will aber auch kleine ''Stückchen'' Kolumbien in die Welt tragen und mitwirken an einem Prozess der Entstereotyposierung dieses Landes auf der anderen Seite des Meeres. Um so mehr enttäuscht und empört einen da falsche Berichterstattung. Zugegeben, von der BILD erwartete man wirklich nicht mehr als fette Schlagzeile und einen ganzen Haufen an Stereotypen. Trotzdem möchte ich hier auf die Berichterstattung der letzten Tage auf BILD.de über die Südamerika-Reise unseres Bundespräsidenten Gauck eingehen. Ein Mehr an falschen Informationen und maßloser Übertreibung lässt sich kaum denken... Ich bin mir sicher, dass eigentlich jeder von euch sich bewusst ist, in wie weit man sich auf den sachlichen Gehalt von BILD-Artikeln verlassen kann (nämlich gar nicht), trotzdem möchte ich gern ein paar Dinge kommentieren - einfach um euch eine wahrheitsgemäßere Sicht darzustellen. Ich bin keine Journalisten, ich bin keine Politikerin - aber ich lebe seit fast 9 Monaten in Bogotá.

Damit ihr euch erst selbst ein Bild machen könnt (Wortwitz der feinsten Sorte...), hier der Link zum Artikel:

http://www.bild.de/politik/inland/gauck-joachim/gauck-in-der-gefaehrlichsten-stadt-der-welt-30326676.bild.html

Fangen wir beim Titel an - ''Gaucks gefährlichste Reise''. Schon beim zweiten Wort beginnt die BILD mit ihrer ''objektiven'' Mitteilungsweise. Daran möchte ich mich gar nicht aufhalten, bemerken wir aber dazu, dass der ursprüngliche (orginale) Titel noch so lautete: ''Gauck in der kriminellsten Stadt'' (-> Bogotá, Hauptstadt Kolumbiens). Dagegen klagte allerdings die kolumbianische Regierung, also wurde der Titel abgewandelt (siehe http://amerika21.de/2013/05/82812/bild-kolumbien).

Weitere Übertreibungen lasse ich aus; bleiben wir weiter bei der Berichterstattung über Bogotá im allgemeinen: ''Bogotà ist weltweite Hochburg des Verbrechens''. Wenn auch die Beleidigung im Titel gestrichen (gemildert) wurde, bleibt sie im Text bestehen. Wie auch die kolumbianische Regierung in ihrer Klage klarstellt, gehört Bogotá schon seit längerem nicht mehr zu den gefährlichsten und kriminellste Städten der Welt (siehe 2.Link), dasselbe beweisen andere aktuelle Rankings. Ein paar Tage später bezeichnet die BILD wiederum Medllin als eine der gefährlichsten Städte der Welt- bleiben wir beim Vergleich in Kolumbien, stimmt hier, dass die zweitgrößte kolumbianische Stadt aufgrund ihrer Vergangenheit als Drogenkartell noch heute neben Cali zu den gefährlichsten Städten des Landes zählt. Auf internationaler Ebene besteht diese Aussage allerdings kaum.

Weiter geht es mit dem Untertitel ''So brutal ist Bogotá!'' und der Aufzählung übertriebenster Stereotypen:

- laufend Überfälle im Taxi: Tatsache ist, dass es diese Überfälle gibt. Auch ich persönlich habe schon von welchen gehört (Exfreiwillige). Allerdings gehören sie nicht zur monatlichen Routine jedes bogotanischen Bürgers, der oft Taxi fährt (z.B. wie ich, mindestens 2mal pro Tag). Außerdem gibt es ein paar einfache Sicherheitsregeln, die jedem eine sorgenfreie Fahrt ermöglichen. Geld hebe ich übrigens auch meistens alleine ab - wenn auch nicht im in der dunkelsten Starße nachts um 3...
- Erpressung, Entführung, gefährliche Stadtviertel: Die Guerillagruppen wie die FARC oder die ELN sind bis heute aktiv, es ist schwer einzuschätzen, ob die öffentlich verlautete Demobilisierung der Gruppen in Wirklichkeit so stattgefunden hat/zu Verminderung geführt hat. Allerdings gilt auch hier: Bestimmte Zonen im Land sind als Ausländer, aber genau so als Staatsbürger zu meiden. Man wird nicht bei hellichtem Tage in Bogotá verschleppt, nur weil man helle Haare hat! Zu den angegebenen Stadtvierteln Bogotás, die angeblich so gefährlich sind: In Suba wohnt eine deutsche Freiwillige von AFS und bewegt sich dort wie in anderen Vierteln auch, nachts gelten sowieso überall strengere Regeln. Und der Süden Bogotás ist tatsächlich ärmer und krimineller, allerdings machen diese Umstände es nicht zum ''Quarantäne-Gebiet'' für Ausländer. Ich selbst bin jeden Donnerstag im Süden Bogotás unterwegs... dazu mehr in meinem nächsten Eintrag über meine Arbeit.
- die K.O.-Tropfen: Sie gibt es, wie wir mittlerweile in vielen Artikeln über Weihnachtsmärkte gelernt haben, nicht nur in Kolumbien. Sie sind ohne Frage sehr gefährlich und stellen immer ein Risiko im Großstadt-Alltag dar. Auch hier gilt: Sicherheitsmaßnahmen beachten. Anmerkung zum Beispiel der 2 deutschen Lehrer - Europäer (/US-Amerikaner)  fallen auf und werden meist des Reichtums verdächtigt, Kolumbianer gehören aber genau so zu den Opfern.

--- Ende des Artikels ---

Informativ wie man es von der BILD gewohnt ist. Ein wenig ausführlichere Artikel gibt es im Stern und in der WELT.
Viel mehr gibt es nicht zu sagen - Kolumbien ist ein Land der Extreme und ich möchte nicht bestreiten, dass noch immer viel Gewalt und Ungerechtigkeit einem Fortschritt im Wege stehen. Aber der Prozess ist im Gang und auch wenn die Schritte klein sind, sind die Veränderungen für die Menschen hier doch zu groß, um derartig verleugnet zu werden. Ein Schritt nach vorn kann schon mit ein klein bisschen mehr Wahrheit beginnen - hier sind es kleine Wahrheiten in euren Köpfen!

Eine gute Nacht, 
Wanda

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