...widme ich meiner genialen Familie in Deutschland- DANKE, für euer Päckchen. Ich hab es vor ein paar Stunden von Janai erhalten und mich sehr über alle kleinen und vor allem sehr großen Geschenke gefreut :D.
Danke, liebe Inge & lieber Uwe, für eure lieben Briefe!
Danke, meine liebes Schwesterlein, für das süße Täschchen und das schöne Buch!
Danke, Mama und Jens, für diese großartige Erfüllung eines fast nie ausgesprochenen Wunsches! Ich würdige sie mit einem Foto von meiner kleinen Hermanita Sara:
Und mein letzter Dank geht an Janai, die mir all diese Wunderdinge nach Kolumbien gebracht hat!
Ich wünsch euch allen eine wunderschöne Nacht,
eure Wanda
Montag, 17. Dezember 2012
Samstag, 1. Dezember 2012
In luftigen Höhen und schlammigen Tiefen
Meine Uhr zeigt
10:39, darunter steht neben Berlin 16:39, in Athen ist es mit 17:39
noch eine Stunde später, in Canberra hat der neue Tag sogar schon
angefangen - in Vancouver dagegen schlafen manche Leute um 7:39 noch.
Zurück in San Gil blieb uns noch Zeit für
einen Besuch im Parque Natural ''El Gallineral'', einem Park voller
unterschiedlicher Pflanzen und Bäume. Bekannt ist er aber vor allem
für die riesigen Bäume von deren Äste seltsame graue Flechten
hängen und sie wie Urgroßväter aussehen lässt.
Aber
egal wie spät es grad überall auf der Welt sein mag - die
Weihnachtszeit beginnt! Mama, Jens und Mathilda machen sich
grad auf den Weg zum Adventskranzbinden und erzählen vom
Weihnachtsmarkt. Und ich bekomme schreckliches
Vorweihnachts-Heimweh... Hier wird schon seit ein paar Wochen
Weihnachtsschmuck aller Art im Großeinkauf geshoppt und vorgestern
hat auch meine Familie den Weihnachtsbaum aufgestellt. Vor
lila-glitzernden Schleifen, Blumen und Schmetterlingen sieht man
allerdings kaum noch was von dem authentischen Plastikbaum, der aus
ansteckbaren Zweigen besteht. Im Vergleich zu dem was andere
Bogotanos an blinkendem Lichterschmuck an den Fassaden ihrer Häuser
auffahren ist das aber garnichts.
Selbst im heißen Girardot stehen neben
dem Pool zwei hell leuchtende Rentiere die in einem Anflug von
Monotonie den Kopf auf und ab, oder nach rechts und links bewegen.
Und auch wenn es hier keinen Schnee gibt - schnief, Weihnachten ohne
Schnee :( - sieht man aller Orts große, beleuchtete Schnekristalle;
was man nicht hat, macht man sich einfach selber!
Und trotz diesem beginnenden
Vorweihnachtsspektakel - es hat noch längst nicht seinen Höhepunkt
erreicht denk ich – freu ich mich unglaublich auf meine nächste
Woche außerhalb von Bogotá... am Montag fliegt mein Flugzeug
Richtung Süden nach Leticia und noch am selben Tag heißt es: ab
geht’s in den AMAZONAS!!!
Und ich dachte, ich kann euch nicht so
ungewiss zurücklassen und sollte nochmal kurz ein bisschen was von
meinen letzten Reisen erzählen, im Moment ist Bogotá nämlich eher
so mein Zwischenstop. Denn die Zeit rennt, jetzt bin ich schon 3
Monate hier und will noch so viele schöne Ecken Kolumbiens
entdecken.
Vor 3 Wochen bin ich mal eben übers
lange Wochenende weggefahren- dazu muss ich sagen, übers Wochenende
wegfahren heißt hier auch 8h mit dem Bus hin und zurück. Das hat
zwei Gründe: zum einen kostet hier so eine Reise nicht die halbe
Monatsmiete wie mit der DeutschenBahn in Deutschland sondern zum
Beispiel nach San Gil gerade mal 70.000$ hin und zurück (30€) und
zum anderen ist Kolumbien mit ungefähr 1.138.748 km² dreimal so
groß wie Deutschland, hat aber nur die Hälfte an Einwohnern, was
bedeutet, dass Entfernungen hier eine ganz andere Dimension haben.
| die Dächer von San Gil |
Also haben wir 6 Mädels aus Bogotá
und Umgebung uns am Freitag, den 9.11., morgens halb 4 in ein Taxi
gesetzt um halb 5 in einen kleinen Bus nach San Gil zu steigen. Dabei
hab ich den sehr dummen Fehler begangen die letzte Reihe wegen viel
Platz zu wählen - tja, schlafen konnte ich bei dem Gehopse
vergessen, außerdem habe ich das Augenschließen nach mehreren sehr
schmerzhaften Begegnungen meiner Nase mit dem Gardinenhaken neben
mir an der Wand aufgegeben. Aber nach einer erstaunlich kurzen Fahrt
von knapp 7h kamen wir Mittags in San Gil, einer kleinen Stadt 400km
nordöstlich von Bogotá an - naja, klein im Gegensatz zu dieser
gigantischen Hauptstadt. San Gil zeichnet sich einerseits durch eine
sehr angenehme warme Temperatur aus (Hauptkriterium bei all meinen
Reisen!!! irgendwie muss ich ja diese graue Regenzeit überstehen),
andererseits durch die vielen Extremsportarten die man in der
Umgebung machen kann, auch Hauptgrund unserer Reise. Zur Beruhigung
meiner Großeltern gleich vorne weg: Bungee Jumping kam für mich
nicht in Frage und Fallschirmspringen hatten sie leider nicht :).
Erlebt haben wir trotzdem genug. Den
Freitagnachmittag verbrachten wir nur mit einer gemütlichen Tour
durch die Stadt und einem Festmahl der ''Delikatesse'' Santanders
(das Departamento in dem San Gil liegt): Hormigas, zu deutsch
''Ameisen''! Es gibt sie dort als Ohrringe, Ketten,
Schlüsselanhänger, auf T-hirts und Taschen... und in Tüten zum
essen. Sie sind leider auch nicht so klein wie in Deutschland sondern
ordentliche Brummer, aber hart und knusprig wie Erdnüsse und mit
Salz bestreut. Und ja, ich weiß das weil ich auch eine gegessen hab
:), erst habe ich mich standhaft geweigert - um mir dann doch unter
Gänsehaut eine in den Mund zu stecken. Ihr werdet euch hier bald an
einem schönes Video von mir bei diesem zweifelhaften Vergnügen
erfreuen können.
Der Samstag begann dann aber mit einer
ganz anderen Art der Herausforderung - erste unserer drei
Abenteuer-Etappen: die Tour durch die Cueva de la Vaca (die
''Kuh-Höhle'') in Curiti, die ihren Namen auf Grund dem
bedauernswerten Schicksal der Kühe hat, die in den Eingang dieser
Höhle auf ihrer Weide gestürzt sind. Heute gibt es davor ein Tor.
Ausgerüstet mit kurzen Klamotten,
einem Helm mit Stirnlampe und sehr stylischen Wasserschuhen (á la
''das Sams'') ging es unter die Erde, in schlammiges Wasser und
beeindruckende Höhlen. Die Tour an sich lässt sich kaum beschreiben
- man muss sie einfach erleben. Allerdings sollte man sich vorher
genauestens überlegen, ob man sich wirklich da rein wagt. Für Leute
mit Platzangst absolut nicht zu empfehlen, und für Leute die ihren
Kopf nicht gern unter Wasser haben (so wie ich) eigentlich auch
nicht... die erste und größte Herausforderung wartete nämlich
schon in der dritten Höhle auf uns - und ich war dummerweise die
Erste -, tief einatmen, unter Wasser tauchen und ungefähr 5 Sekunden
unter der Felswand hindurch auf die andere Seite tauchen. Nichts
leichter als das - leider und wunderlicherweise wollte sich keiner
freiwillig melden und so trat ich als erste die Unterwasserreise an.
Außer einem blauen Fleck auf dem Nasenrücken habe ich sie hin und
auch zurück gut überstanden :).
Nach einer Dusche aus dem Schlauch um
auch die letzten Schlammflecken hinterm Ohr weg zu bekommen ging es
schon weiter: Paragliding!
| Das bin ich bei der Schraube :) |
Dazu kann man eigentlich nicht viel sagen
- besonders viel Überwindung braucht es gar nicht finde ich, denn
sobald man in die Seile geschnallt und auf den Sitzsack gesetzt wird, kann
man sowieso nichts mehr machen. Und ehe man es sich versieht ist man
in der Luft und hält beim Anblick der Weite unter sich den Atem an.
Sehr beeindruckend!!! Und wer sich traut, bekommt am Ende noch eine
schwindelerregende Schraube - dabei hat es mir dann
doch buchstäblich
den Magen umgedreht.
Sonntagmorgen dann unser letztes
Vorhaben in Richtung Extremsport: Torentismo. Ich weiß dafür leider
kein deutsches Wort, man kann es wohl ''Abseilen an Wasserfällen''
nennen.
Mit dem Bus sind wir nach Charala zur
Cascade de Juan Curi. Nach einem 30minütigen Aufstieg durch einen umwerfenden Dschungel von exotischen Pflanzen, riesigen Bäumen
und Flechten, standen wir plötzlich auf einem weitläufiges Plateau
auf der Hälfte des Wasserfalls vor einem Naturschauspiel, das im
Katalog nicht halb so beeindruckend aussieht... eine Kaskade aus
herabstürzendem Wasser.
Und nach einer sehr kurzen Einführung
bekamen wir mal wieder Helme aufgesetzt, einen Gurt um die Beine und
die Hüfte und einen Handschuh an die linke Hand. Und dann stand ich
schon an der Kante, kletterte über die Seilsicherung und hing
plötzlich an einer fast senkrechten Felswand inmitten spritzendem
Wasser. Der Abstieg dauert, je nach Schnelligkeit des Kletterers,
leider nur 5-10min. Dafür erwarten einen unten traumhafte kleine
Wasserbecken mit Sprudeln und einer Natur wie aus dem Dschungelbuch.
Noch ziemlich durchnässt stiegen wir
am frühen Nachmittag wieder in den Bus zurück nach San Gil. Nach
einer kleinen Verschnaufpause in unserem wunderschönen kleinen
Hostel mit Dusche unter freiem Himmel noch eine letzte Tour nach Barichara,
einem Dorf, das für seine romantische Schönheit bekannt ist. Viele
kleine weiße Häuser, Blumenranken in kräftigem lila und kleine
Läden voller Artesanías... Und wie klein die Welt doch ist, dachten
wir mal wieder als wir beim Kaufen der Bustickets zurück auf eine
andere Gruppe deutscher Jugendliche stießen, die ebenfalls als
Freiwillige in Kolumbien waren – aber es waren nicht nur
''irgendwelche Deutschen'': das eine Mädchen kam auf uns zu und
meinte mit großen Augen ''Sophie???''. Die beiden hatten sich bei
einem Auswahlwochenende von AFS vor gut einem Jahr in Deutschland
getroffen :).
Damit ging unsere Reise leider auch
schon wieder ihrem Ende zu, Montagmorgen stiegen wir wieder in den
Bus und waren am frühen Nachmittag im grauen, nassen Bogotá...
Dabei fällt mir auf, dass ich euch
eigentlich mal einen Alltags-Post schulde – schließlich spielt
sich meine Leben zwischen den Reisen doch auch in dieser Großstadt
hier ab. Dazu mehr wenn ich nächste Woche wiederkomme - aber erst
mal heißt es 5 Tage Amazonas: Dschungel, Schlamm, Mosquitos,
Piranhas- ICH KOMME!!!
Abrazos y Besitos para todos,
que estén bien- Wanda
Sonntag, 18. November 2012
Und wieder ein Quäntchen Sonne...
Meine lieben Damen und Herren,
bevor mal wieder ein ausführlich Bericht folgt könnt hier schon mal ein paar Fotos von meinem wunderbaren Ausflug nach San Gil sehen...
Neben einer Höhlentour, Paragliding und Abseilen an Wasserfällen haben wir auch ein ruhige Runde durch den Naturpark Gallineral und das bezaubernde Dörfchen Barrichara gemacht... viel Spaß beim schauen. :)
Mehr Details und action-reiche Bilder folgen bald...
https://www.dropbox.com/sh/1i996u2ts4bqzyg/BJzAAIXprO
Mit allerliebsten Grüßen,
Wanda
bevor mal wieder ein ausführlich Bericht folgt könnt hier schon mal ein paar Fotos von meinem wunderbaren Ausflug nach San Gil sehen...
Neben einer Höhlentour, Paragliding und Abseilen an Wasserfällen haben wir auch ein ruhige Runde durch den Naturpark Gallineral und das bezaubernde Dörfchen Barrichara gemacht... viel Spaß beim schauen. :)
Mehr Details und action-reiche Bilder folgen bald...
https://www.dropbox.com/sh/1i996u2ts4bqzyg/BJzAAIXprO
Mit allerliebsten Grüßen,
Wanda
Samstag, 20. Oktober 2012
¡Vamos a bailar!
Tanzen wie Shakira... schon die ganz Kleinen wissen hier wie es geht- da kann jeder Europäer einstecken! Und selbst die Jungs tanzen; wie ihr in dem Video sehen könnt :)
Ein kleiner Einblick in einen meiner kolumbianischen Familienabende... Darf ich vorstellen: Meine Gastcousinen/-cousin Paula, Nana, Isabella, Sofia und Thomas!
Und so sieht meine Familie beim deutsch lernen am Abendbrotstisch aus ;)
Nein, deutsch ist das nicht wirklich. Klingt eher wie ein Haufen kleiner, wütender Chinesen :D Derjenige, der da immer von der Seite reinredet ist übrigens mein Gastvater...
Ich hoffe ihr genießt die kleinen Momente,
con muchos saludos- Wanda
Donnerstag, 11. Oktober 2012
Ein Wochenende in der Sonne
Einen schönen guten Morgen an alle,
Als wir gegen halb 12 nachts
schließlich in der - im Vergleich zu Bogotá - kleinen Stadt am
Rande des Departements (=Bundesland) Cundinamarca ankamen, wurden
wir sehr herzlich mit Namensschildern und freudigen Willkommensrufen
von unseren beiden Mitfreiwilligen und deren Familie begrüßt. Schon
am Temperament der Leute kann man ihnen die Wärme an merken – auch
in Bogotá sind die Menschen offen und freundlich, aber ihnen fehlt
manchmal ein bisschen das Feuer der Leute, die in warmen Gegenden
leben.
Nach einem wirklich leckeren Frühstück
bestehend aus Pancakes und Arepa con queso, zubereitet von den
Empleadas (=Hausangestellte) der Familie, verbrachten wir fast den
ganzen Samstag im Pool. Wie viele Runden Mojiitos es gab, weiß ich
schon nicht mehr. Bei strahlender Sonne, lustigen Gesprächen mit den
Gasteltern und der ''Gastoma'' Olga und so einigen Tanzstunden unter
Wasser (ist nicht so peinlich, weil keiner richtig sehen kann, was du
da unter Wasser genau mit deinen Beinen machst) verging die Zeit wie
im Flug.
''El Peñon'' wie sich das Conjunto
nennt, in dem wir waren, ist eins der bekanntesten Girardots. Im
Gegensatz zu ähnlichen Anlagen sind die Häuser in Größe und Form
sehr unterschiedlich- nur eins haben sie gemeinsam: sie sind fast
alle weiß, haben Palmen im ''Vorgarten'' und sind meist unglaublich
übertrieben! Viele der Häuser sind nicht dauerhaft bewohnt, sondern
dienen den reicheren Familien aus Bogotá als Feriendomizil. Deshalb
wirkt diese kleine Insel manchmal wie ausgestorben.
Außer einem
Exitó (diese französische Supermarktkette gehört hier neben dem
Carrefour- ebenfalls französisch- zu den größten und beliebtesten
Einkaufszentren) gibt es natürlich ein Clubhaus mit See, Pool und
eigenem Spa, ein Golfplatz, sowie Tennis- und Fußballplätze. Und
auf den Straßen sieht man vor allem Golf Cars- man hat das Gefühl,
man ist in einem dieser amerikanischen Filme gelandet, in dem die
Männer mit ihren Golfcars zum Golf fahren, während ihr Frauen sich
am Pool die Nägel lackieren...
Und dann heißt es auch schon ab ins Boot, unsere beiden Freundinnen aus Girardot und ihr Gastbruder auf den Perro Caliente und ab geht’s. Zur Erklärung: Perro Caliente ist der spanische Begriff für Hot Dog - und dabei handelt es sich in diesem Fall um nichts zu Essen sondern ein aufblasbares Etwas in der Form eines Hot Dogs, sonst bekannt als Bananenboot. In unserem Fall haben drei Personen darauf Platz. Nachdem alle auf ihren ''Plätzen'' sind (Pili und unsere Gastoma Olga bleiben am Steg und betrachten das Spektakel von Weitem), geht es los. Mit einem Seil wird das Gummiboot an dem Motorboot befestigt, unser ''Gastvater'' gibt Gas und dann heißt es Festhalten für die drei Reiter des Hot Dogs...
Nachdem auch Doro und ich uns zweimal von dem Gummiboot haben abschmeißen lassen, wartet die nächste Herausforderung auf uns: Wasserski bzw. Wakeboarding. Nachdem unsere Freundinnen sich ziemlich gut auf den Wasserski machen, entscheiden Doro und ich uns für das Wakeboard. Was so leicht aussieht, stellt sich als ziemlich schwer heraus :). Während das Stehen und Fahren garnicht mal so schwer ist, ist das ''Anfahren'' dafür um so komplizierter.
Nach 7 Versuchen, die mir schon fast alle Kraft rauben und mich jedesmal kopfüber ins Wasser plumpsen lassen, schaffe ich es in eine aufrechtere Position und tadaaa - wär hätte es gedacht, ich bleibe stehen und boarde über das Wasser. Das heißt, viel tun außer die Position bewahren muss man nicht- aber mit den Palmen im Hintergrund sieht es doch gleich viel aufregender aus!
Zur Krönung des Tages nimmt uns dann noch ein Freund der Familie auf seinem Jetski eine Runde um den See mit... Miami lässt grüßen :D
meine Uhr zeigt 10.21 Uhr und da ich-
wie vielleicht einige von euch schon mit bekommmen haben- vormittags
selten arbeite, nehme ich mir jetzt die Zeit, ein bisschen was
nachzuholen was ihr verpasst habt :).
Wer den letzten Post nicht gesehen
hat- hier noch mal den Link zu dem kompletten Fotoalbum:
Ein Wochenende in der Sonne- das hatte
ich vor jetzt schon fast 2 Wochen. Freitagabend, den 31. September,
traf ich mich mit einer anderen deutschen Freiwilligen am Terminal de
Transporte de Bogotá- eine Art Reisezentrum für diverse Busse in
alle Himmelsrichtungen des Landes.
Dort nahmen wir den nächsten Bus nach
Girardot- unserem Reiseziel. Wenn man dem Internet glauben mag,
ungefähr 124km, je nach Rute.
Schon allein das pünktliche Abfahren
ist in Kolumbien ja eine Unmöglichkeit und so begannen wir
schließlich gegen 8:00 Uhr abends unsere Reise in einem kleinen,
ungefähr 15-mann Bus. Auf der Karte kann man das leider nicht sehen,
aber von Bogotá aus begannen wir einen beträchtlichen Abstieg durch
die Berge. Während die Hauptstadt auf ungefähr 2600m Höhe liegt,
befindet sich Girardot auf ca. 289m Höhe- was auch die
Durchschnittstemperatur von mindestens 30° erklärt! Da wir bei
Nacht gefahren sind (ab 6:00 Uhr wird es hier dunkel), konnten wir
leider wenig von unserer Umgebung sehen- auf dem Rückweg war es zwar
hell, dafür sind uns da die Augen vor Müdigkeit zugefallen. Dafür
stieg unsere Euphorie mit dem immer wärmer werdenden Wind, der durch
das Fenster herein wehte. Man muss sich vorstellen, wie es ist, wenn
man in Bogotá mit einer Durchschnittstemperatur von 15° lebt und
dann plötzlich warmen Wind auf dem Gesicht spürt- wenn man um sich
rum nur noch Wärme wahrnimmt. Auch in Bogotá kann es gerade zu heiß
werden, wenn die Sonne scheint. Aber in Girardot kommt die Wärme aus
der Erde, sie hüllt dich zu jeder Tages- und Nachtzeit ein wie ein
Tuch. Mal schwül, mal trocken, mal tropisch wenn es regnet... Wer
mich kennt, weiß, dass ich eher ein Verfechter der warmen
Temperaturen bin :D.
Als wir gegen halb 12 nachts
schließlich in der - im Vergleich zu Bogotá - kleinen Stadt am
Rande des Departements (=Bundesland) Cundinamarca ankamen, wurden
wir sehr herzlich mit Namensschildern und freudigen Willkommensrufen
von unseren beiden Mitfreiwilligen und deren Familie begrüßt. Schon
am Temperament der Leute kann man ihnen die Wärme an merken – auch
in Bogotá sind die Menschen offen und freundlich, aber ihnen fehlt
manchmal ein bisschen das Feuer der Leute, die in warmen Gegenden
leben.
Unseren Besuch bei Flora und Sophie
(ebenfalls deutsche Freiwillige von AFS) begannen wir mit einem
ausgiebigen Nachtbad im Pool... dazu wurden uns von Sophies
Gastmutter Pili die ersten Baileys gereicht! Der Anfang eines
wundervollen, entspannten Wochenendes in der Sonne...
Nach einem wirklich leckeren Frühstück
bestehend aus Pancakes und Arepa con queso, zubereitet von den
Empleadas (=Hausangestellte) der Familie, verbrachten wir fast den
ganzen Samstag im Pool. Wie viele Runden Mojiitos es gab, weiß ich
schon nicht mehr. Bei strahlender Sonne, lustigen Gesprächen mit den
Gasteltern und der ''Gastoma'' Olga und so einigen Tanzstunden unter
Wasser (ist nicht so peinlich, weil keiner richtig sehen kann, was du
da unter Wasser genau mit deinen Beinen machst) verging die Zeit wie
im Flug.
Nachdem es zu meiner hellen Freude
mittags eine Fischsuppe mit Shrimps gab (yeah, mein Leibgericht),
fielen wir um 3 Uhr nachmittags völlig ermattet in unsere Betten und
hielten eine Stunde Siesta. Diese Mittagszeit, die man vor allem aus
Spanien kennt, und in der oft auch Geschäfte geschlossen haben, gibt
es hier anscheinend nur in den sehr warmen Gegenden.
Nach der kleinen Erholungspause vom
Nichtstun, zeigten uns Flora und Sophie die Umgebung- genauer gesagt,
das Conjunto in dem sie mit ihrer Familie leben. Conjuntos gibt es
hier in den kolumbianischen Städten öfter - das sind geschlossene
Wohngegenden, die oft ähnlich wie deutsche Gartenanlagen nach Plan
angelegt wurden. Sie sind kleine, abgeschlossene Inseln, haben oft
eigene Einkaufszentren und Vergnügungsplätze. Oft siedeln sich hier
die reicheren Leute an, da die Conjuntos durch ihre Abriegelung fast
vollkommen sicher sind.
Auf der einen Seite fühlt man sich
wirklich sicher - man kann hier auch noch nachts durch die Straßen
streunen. Ein Pool hinterm Haus und immer eisgekühlte Säfte im
Kühlschrank zu haben fühlt sich für eine Weile sehr gut an –
aber man fängt auch an, nachzudenken. Ich stell mit vor, dass die
Kinder die in diesem Conjunto aufwachsen, denken, dass die ganze Welt
so aussieht. So weiß und sauber und sicher. Und, dass das was wir
erlebt haben, ein sehr gutes Beispiel für die Kolumbianische
''Blase'' ist, von der uns auf unseren Vorbereitungsseminaren erzählt
wurde: Es gibt sie überall im Land, in großen und kleinen Städten.
Sie bezeichnet die Gegenden, in denen die reichen Leute Kolumbiens
wohnen, arbeiten - einfach leben, während nebenan vielleicht gleich
eines der Armenviertel liegt. Sie wissen theoretisch, dass es nicht
im ganzen Land so aussieht wie in ihrem Viertel, aber sie nehmen nur
ihre Realität wahr. Von Indigenas (=Ureinwohner) und Menschen, die
auf der Straße leben, haben sie gehört- vielleicht gehören sie
auch zu den politischen Menschen, die darüber reden - aber wirklich
kennen tun sie die andere Seite nicht.
Ich möchte nicht behaupten, dass ich
das tue. Aber ich glaube, dass wir durch unsere Vorbereitung und
unsere schulische Geschichtsbildung teilweise ein reflektierteres
Bild von der kolumbianischen Gesellschaft haben, als die Leute, die
nur auf der ''reichen Seite'' aufgewachsen sind.
Zurück nach Girardot, wo unsere
Wochenends-Gastfamilie sicherlich sehr reich, aber auch unglaublich
herzlich, großzügig und humorvoll ist! Nachdem ich Samstagabend in
der Innenstadt den bisher leckersten Hot-Dog gegessen hab (und glaub
mir, ich habe hier schon viele gegessen), sind wir Abends alle
todmüde und gehen nach einer erfrischenden Runde im Pool auch schon
ins Bett- tanzen gehen fällt leider aus, weil am Sonntag Wahlen
sind, und es hier eine Regel gibt, die das Ausschenken von
alkoholischen Getränken vor Wahlen verbietet.
Der Sonntagmorgen beginnt für unser
Gefühl viel zu früh- nach dem ich mich nachts in dem klimatisierten
Schlafzimmer fast erkältet hab, wird schon um 10 Uhr an die Tür
geklopft- es geht los... Es geht schon los? Die Uhrzeit war
tatsächlich ausgemacht, aber wie wir die Kolumbianer kennen, haben
wir das Frühstück auf um 10 und das Losgehen auf um 11 angesetzt.
Fehlanzeige, unsere liebenswürdige Gastfamilie hat viel mit uns vor.
Mit dem Golfcar geht es zum See – unser Gastvater folgt uns mit dem
Landrover, ein Motorboot im Schlepptau.
Und dann heißt es auch schon ab ins Boot, unsere beiden Freundinnen aus Girardot und ihr Gastbruder auf den Perro Caliente und ab geht’s. Zur Erklärung: Perro Caliente ist der spanische Begriff für Hot Dog - und dabei handelt es sich in diesem Fall um nichts zu Essen sondern ein aufblasbares Etwas in der Form eines Hot Dogs, sonst bekannt als Bananenboot. In unserem Fall haben drei Personen darauf Platz. Nachdem alle auf ihren ''Plätzen'' sind (Pili und unsere Gastoma Olga bleiben am Steg und betrachten das Spektakel von Weitem), geht es los. Mit einem Seil wird das Gummiboot an dem Motorboot befestigt, unser ''Gastvater'' gibt Gas und dann heißt es Festhalten für die drei Reiter des Hot Dogs...
Nachdem auch Doro und ich uns zweimal von dem Gummiboot haben abschmeißen lassen, wartet die nächste Herausforderung auf uns: Wasserski bzw. Wakeboarding. Nachdem unsere Freundinnen sich ziemlich gut auf den Wasserski machen, entscheiden Doro und ich uns für das Wakeboard. Was so leicht aussieht, stellt sich als ziemlich schwer heraus :). Während das Stehen und Fahren garnicht mal so schwer ist, ist das ''Anfahren'' dafür um so komplizierter.
Nach 7 Versuchen, die mir schon fast alle Kraft rauben und mich jedesmal kopfüber ins Wasser plumpsen lassen, schaffe ich es in eine aufrechtere Position und tadaaa - wär hätte es gedacht, ich bleibe stehen und boarde über das Wasser. Das heißt, viel tun außer die Position bewahren muss man nicht- aber mit den Palmen im Hintergrund sieht es doch gleich viel aufregender aus!
Zur Krönung des Tages nimmt uns dann noch ein Freund der Familie auf seinem Jetski eine Runde um den See mit... Miami lässt grüßen :D
Viel zu schnell sind unsere Tage in
Girardot vergangen und Montag früh packen wir wieder unsere Taschen
und steigen in einen - diesmal richtig großen – Reisebus nach
Hause. Zum Abschied regnet es und wir müssen feststellen - selbst
der Regen in Girardot ist schöner als in Bogotá!
Unterwegs schrammt unser ungestümer
Busfahrer einen anderen Bus und macht seinen eigenen Seitenspiegel
dabei platt - eine halbe Stunde bleiben wir stehen und warten.
Worauf; das wusste keiner so recht. Am Ende sind wir statt geplanter
3 Stunden fast 4 eineinhalb Stunden unterwegs - aber was macht das
schon, wenn man sich dafür mitten im pulsierenden Kolumbien
befindet?!
Einen kleinen Sonnengruß aus Bogotá,
ich hoffe es geht euch gut.
Wanda
Mittwoch, 10. Oktober 2012
''Ihr habt die Uhren, wir haben die Zeit...''
Erst einen Monat nichts, und jetzt sogar 2 Posts an einem Tag (kolumbianischer Zeit)... :)
Ich hab euch ja unten links ein paar andere Bloglinks aufgelistet- von Freundinnen, die ihr Jahr in Spanien, Griechenland, Peru und auch Kolumbien verbringen. Ich habe gerade den neusten Eintrag von Doro über das kolumbianische ''Zeitphänomen'' gelesen und war so begeistert, dass ich den Text gern mit euch teilen möchte:
http://dschungelkind.wordpress.com/2012/10/10/ihr-habt-die-uhren-wir-haben-die-zeit/#comment-17
Ich könnte es selbst nicht halb so gut darstellen- ich finde, sie hat es einfach auf den Punkt gebracht. Und weil ihre Beschreibungen genauso auf mein Leben hier zutreffen, möchte ich euch den Eintrag sehr empfehlen, wenn ihr ein bisschen mehr Einblick in die Kultur bekommen wollt, in der ich hier gerade lebe.
Mit lieben Grüßen,
W
Ich hab euch ja unten links ein paar andere Bloglinks aufgelistet- von Freundinnen, die ihr Jahr in Spanien, Griechenland, Peru und auch Kolumbien verbringen. Ich habe gerade den neusten Eintrag von Doro über das kolumbianische ''Zeitphänomen'' gelesen und war so begeistert, dass ich den Text gern mit euch teilen möchte:
http://dschungelkind.wordpress.com/2012/10/10/ihr-habt-die-uhren-wir-haben-die-zeit/#comment-17
Ich könnte es selbst nicht halb so gut darstellen- ich finde, sie hat es einfach auf den Punkt gebracht. Und weil ihre Beschreibungen genauso auf mein Leben hier zutreffen, möchte ich euch den Eintrag sehr empfehlen, wenn ihr ein bisschen mehr Einblick in die Kultur bekommen wollt, in der ich hier gerade lebe.
Mit lieben Grüßen,
W
Sonne...
Ihr Lieben,
ich weiß- ich hab euch sehr vernachlässigt. Damit ihr in der Zwischenzeit schon mal ein paar Fotos sehen könnt, hab ich ein Ordner in meiner Dropbox mit Fotos angelegt- Dropbox??? Manche von euch kennen dieses Program vielleicht schon, andere nicht. Aber das ist völlig unwichtig, denn es funktioniert ganz einfach:
Ich werde euch unter diesem Text einen Link posten, denn ihr einfach anklicken könnt- und tadaaaaa... da sind die Fotos von meinem Wochenende in Girardot. Was ich da genau gemacht hab, wie ich hingekommen bin und einiges mehr werde ich euch in ein paar Tagen schreiben. Bis dahin viel Spaß beim Angucken der Bilder!
https://www.dropbox.com/sh/1i996u2ts4bqzyg/MFQVBImWWB/Ein%20Sonnen-Wochenende
Un gran abrazo para todos,
eure Wanda.
ich weiß- ich hab euch sehr vernachlässigt. Damit ihr in der Zwischenzeit schon mal ein paar Fotos sehen könnt, hab ich ein Ordner in meiner Dropbox mit Fotos angelegt- Dropbox??? Manche von euch kennen dieses Program vielleicht schon, andere nicht. Aber das ist völlig unwichtig, denn es funktioniert ganz einfach:
Ich werde euch unter diesem Text einen Link posten, denn ihr einfach anklicken könnt- und tadaaaaa... da sind die Fotos von meinem Wochenende in Girardot. Was ich da genau gemacht hab, wie ich hingekommen bin und einiges mehr werde ich euch in ein paar Tagen schreiben. Bis dahin viel Spaß beim Angucken der Bilder!
https://www.dropbox.com/sh/1i996u2ts4bqzyg/MFQVBImWWB/Ein%20Sonnen-Wochenende
Un gran abrazo para todos,
eure Wanda.
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