''Das Geheimnis ist, ohne die Antwort zu leben''

Dienstag, 25. Dezember 2012

¡Feliz Navidad!

... oder ''Frohe Weihnachten'' wünsch euch allen noch. Ich hoffe ihr hatten einen schönen Heiligabend in Mitten eurer Liebsten und genießt die letzten Weihnachtstage!

Mein 24. Dezember hätte auf der einen Seite nicht unterschiedlicher, chaotischer, ungeplanter und irgendwie auch unweihnachtlicher als das gewohnte ''deutsche Weihnachten'' sein können, auf der anderen Seite hätte ich nicht deutlicher erfahren können, wie groß an Weihnachten ganz kleine Freuden sein können und was es an einem solchen Tag bedeutet, Familie zu haben... oder eben nicht.
Und man beginnt, darüber nachzudenken, für wie viele Leute auf dieser Welt der 24. Dezember ein Tag wieder jeder andere ist, weil sie kein gemütliches Heim und keinen Weihnachtsbaum - egal ob aus Plastik oder echt - haben. Oder für wie viele Menschen dieser Tag noch trauriger ist als alle anderen, weil sie ein Heim und vielleicht auch einen Baum, aber keine Familie um sich haben.


Genau das habe ich gestern in den Gesichtern vieler Frauen gesehen und in den Tränen ihrer Kinder, die manchmal nicht wussten, ob sie lachen sollten, über die Geschenke, die wir ihnen in die Hände drückten, oder weinen darüber, dass sie Weihnachten diesmal ohne ihren Vater feiern würden. Denn all diese Mütter mit ihren Babys auf dem Arm, den Kleinkindern an der Hand oder schon fast erwachsenen Jugendlichen kamen gerade aus dem Establecimiento Carcela ''La Modelo'', einem reinen Männergefängnis in Bogotá, in dem die Insassen darauf warten, ein Gerichtsurteil zu bekommen.
Diese traurigen Gesichter haben auch mich teilweise traurig gemacht, aber gleichzeitig war es die reinste Freude dem Lachen der Kinder zu lauschen, die ihren Augen kaum trauen konnten als sie in ihre vollgepackten Geschenktüten schauten. Ich kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie ihr Leben zur Zeit aussieht, wie sie ohne einen arbeitenden Vater über die Runden kommen und wie schwer es sein muss, ihn nur für ein paar Stunden in diesem grauen Gebäude besuchen zu können. Aber ich habe ihre Freude und Überraschung gesehen, als sie am Ausgang plötzlich einer großen Menge lachender Menschen und einem bunten Haufen Geschenke gegenüber standen. Und diese kleinen Freuden mögen ausgereicht haben, um auch für diese ''halben'' Familien den gestrigen Tag zu einem besonderen Tag zu machen... und genau das hat den Tag auch für mich besonders gemacht und mich um so mehr gelehrt, am späteren Abend die riesige Familie von fast 40 Leuten um mich herum sehr zu schätzen und zu genießen!

In Gedanken bin ich auch bei euch, meiner Familie in Deutschland & meinen Freunden zu Hause, und bei denen, die wie ich die weite Welt gesucht haben und ihren Tag gestern eben so anders und neuartig erlebt haben.
Euch allen: Wunderschöne Weihnachten!

Es grüßt euch übers Meer
eure Wanda  

Montag, 17. Dezember 2012

Eine mitternächtliche Dankesmeldung

...widme ich meiner genialen Familie in Deutschland- DANKE, für euer Päckchen. Ich hab es vor ein paar Stunden von Janai erhalten und mich sehr über alle kleinen und vor allem sehr großen Geschenke gefreut :D.

Danke, liebe Inge & lieber Uwe, für eure lieben Briefe!

Danke, meine liebes Schwesterlein, für das süße Täschchen und das schöne Buch!

Danke, Mama und Jens, für diese großartige Erfüllung eines fast nie ausgesprochenen Wunsches! Ich würdige sie mit einem Foto von meiner kleinen Hermanita Sara:


Und mein letzter Dank geht an Janai, die mir all diese Wunderdinge nach Kolumbien gebracht hat!

Ich wünsch euch allen eine wunderschöne Nacht,
eure Wanda

Samstag, 1. Dezember 2012

In luftigen Höhen und schlammigen Tiefen

Meine Uhr zeigt 10:39, darunter steht neben Berlin 16:39, in Athen ist es mit 17:39 noch eine Stunde später, in Canberra hat der neue Tag sogar schon angefangen - in Vancouver dagegen schlafen manche Leute um 7:39 noch.
Aber egal wie spät es grad überall auf der Welt sein mag - die Weihnachtszeit beginnt! Mama, Jens und Mathilda machen sich grad auf den Weg zum Adventskranzbinden und erzählen vom Weihnachtsmarkt. Und ich bekomme schreckliches Vorweihnachts-Heimweh... Hier wird schon seit ein paar Wochen Weihnachtsschmuck aller Art im Großeinkauf geshoppt und vorgestern hat auch meine Familie den Weihnachtsbaum aufgestellt. Vor lila-glitzernden Schleifen, Blumen und Schmetterlingen sieht man allerdings kaum noch was von dem authentischen Plastikbaum, der aus ansteckbaren Zweigen besteht. Im Vergleich zu dem was andere Bogotanos an blinkendem Lichterschmuck an den Fassaden ihrer Häuser auffahren ist das aber garnichts.
Selbst im heißen Girardot stehen neben dem Pool zwei hell leuchtende Rentiere die in einem Anflug von Monotonie den Kopf auf und ab, oder nach rechts und links bewegen. Und auch wenn es hier keinen Schnee gibt - schnief, Weihnachten ohne Schnee :( - sieht man aller Orts große, beleuchtete Schnekristalle; was man nicht hat, macht man sich einfach selber!

Und trotz diesem beginnenden Vorweihnachtsspektakel - es hat noch längst nicht seinen Höhepunkt erreicht denk ich – freu ich mich unglaublich auf meine nächste Woche außerhalb von Bogotá... am Montag fliegt mein Flugzeug Richtung Süden nach Leticia und noch am selben Tag heißt es: ab geht’s in den AMAZONAS!!!
Und ich dachte, ich kann euch nicht so ungewiss zurücklassen und sollte nochmal kurz ein bisschen was von meinen letzten Reisen erzählen, im Moment ist Bogotá nämlich eher so mein Zwischenstop. Denn die Zeit rennt, jetzt bin ich schon 3 Monate hier und will noch so viele schöne Ecken Kolumbiens entdecken.

Vor 3 Wochen bin ich mal eben übers lange Wochenende weggefahren- dazu muss ich sagen, übers Wochenende wegfahren heißt hier auch 8h mit dem Bus hin und zurück. Das hat zwei Gründe: zum einen kostet hier so eine Reise nicht die halbe Monatsmiete wie mit der DeutschenBahn in Deutschland sondern zum Beispiel nach San Gil gerade mal 70.000$ hin und zurück (30€) und zum anderen ist Kolumbien mit ungefähr 1.138.748 km² dreimal so groß wie Deutschland, hat aber nur die Hälfte an Einwohnern, was bedeutet, dass Entfernungen hier eine ganz andere Dimension haben. 

die Dächer von San Gil
Also haben wir 6 Mädels aus Bogotá und Umgebung uns am Freitag, den 9.11., morgens halb 4 in ein Taxi gesetzt um halb 5 in einen kleinen Bus nach San Gil zu steigen. Dabei hab ich den sehr dummen Fehler begangen die letzte Reihe wegen viel Platz zu wählen - tja, schlafen konnte ich bei dem Gehopse vergessen, außerdem habe ich das Augenschließen nach mehreren sehr schmerzhaften Begegnungen meiner Nase mit dem Gardinenhaken neben mir an der Wand aufgegeben. Aber nach einer erstaunlich kurzen Fahrt von knapp 7h kamen wir Mittags in San Gil, einer kleinen Stadt 400km nordöstlich von Bogotá an - naja, klein im Gegensatz zu dieser gigantischen Hauptstadt. San Gil zeichnet sich einerseits durch eine sehr angenehme warme Temperatur aus (Hauptkriterium bei all meinen Reisen!!! irgendwie muss ich ja diese graue Regenzeit überstehen), andererseits durch die vielen Extremsportarten die man in der Umgebung machen kann, auch Hauptgrund unserer Reise. Zur Beruhigung meiner Großeltern gleich vorne weg: Bungee Jumping kam für mich nicht in Frage und Fallschirmspringen hatten sie leider nicht :).


Erlebt haben wir trotzdem genug. Den Freitagnachmittag verbrachten wir nur mit einer gemütlichen Tour durch die Stadt und einem Festmahl der ''Delikatesse'' Santanders (das Departamento in dem San Gil liegt): Hormigas, zu deutsch ''Ameisen''! Es gibt sie dort als Ohrringe, Ketten, Schlüsselanhänger, auf T-hirts und Taschen... und in Tüten zum essen. Sie sind leider auch nicht so klein wie in Deutschland sondern ordentliche Brummer, aber hart und knusprig wie Erdnüsse und mit Salz bestreut. Und ja, ich weiß das weil ich auch eine gegessen hab :), erst habe ich mich standhaft geweigert - um mir dann doch unter Gänsehaut eine in den Mund zu stecken. Ihr werdet euch hier bald an einem schönes Video von mir bei diesem zweifelhaften Vergnügen erfreuen können.
Der Samstag begann dann aber mit einer ganz anderen Art der Herausforderung - erste unserer drei Abenteuer-Etappen: die Tour durch die Cueva de la Vaca (die ''Kuh-Höhle'') in Curiti, die ihren Namen auf Grund dem bedauernswerten Schicksal der Kühe hat, die in den Eingang dieser Höhle auf ihrer Weide gestürzt sind. Heute gibt es davor ein Tor.
Ausgerüstet mit kurzen Klamotten, einem Helm mit Stirnlampe und sehr stylischen Wasserschuhen (á la ''das Sams'') ging es unter die Erde, in schlammiges Wasser und beeindruckende Höhlen. Die Tour an sich lässt sich kaum beschreiben - man muss sie einfach erleben. Allerdings sollte man sich vorher genauestens überlegen, ob man sich wirklich da rein wagt. Für Leute mit Platzangst absolut nicht zu empfehlen, und für Leute die ihren Kopf nicht gern unter Wasser haben (so wie ich) eigentlich auch nicht... die erste und größte Herausforderung wartete nämlich schon in der dritten Höhle auf uns - und ich war dummerweise die Erste -, tief einatmen, unter Wasser tauchen und ungefähr 5 Sekunden unter der Felswand hindurch auf die andere Seite tauchen. Nichts leichter als das - leider und wunderlicherweise wollte sich keiner freiwillig melden und so trat ich als erste die Unterwasserreise an. Außer einem blauen Fleck auf dem Nasenrücken habe ich sie hin und auch zurück gut überstanden :).
Nach einer Dusche aus dem Schlauch um auch die letzten Schlammflecken hinterm Ohr weg zu bekommen ging es schon weiter: Paragliding! 
Das bin ich bei der Schraube :)
Dazu kann man eigentlich nicht viel sagen - besonders viel Überwindung braucht es gar nicht finde ich, denn sobald man in die Seile geschnallt und auf den Sitzsack gesetzt wird, kann man sowieso nichts mehr machen. Und ehe man es sich versieht ist man in der Luft und hält beim Anblick der Weite unter sich den Atem an. Sehr beeindruckend!!! Und wer sich traut, bekommt am Ende noch eine schwindelerregende Schraube - dabei hat es mir dann 
 doch buchstäblich den Magen umgedreht.
Zurück in San Gil blieb uns noch Zeit für einen Besuch im Parque Natural ''El Gallineral'', einem Park voller unterschiedlicher Pflanzen und Bäume. Bekannt ist er aber vor allem für die riesigen Bäume von deren Äste seltsame graue Flechten hängen und sie wie Urgroßväter aussehen lässt.
Sonntagmorgen dann unser letztes Vorhaben in Richtung Extremsport: Torentismo. Ich weiß dafür leider kein deutsches Wort, man kann es wohl ''Abseilen an Wasserfällen'' nennen.
Mit dem Bus sind wir nach Charala zur Cascade de Juan Curi. Nach einem 30minütigen Aufstieg durch einen umwerfenden Dschungel von exotischen Pflanzen, riesigen Bäumen und Flechten, standen wir plötzlich auf einem weitläufiges Plateau auf der Hälfte des Wasserfalls vor einem Naturschauspiel, das im Katalog nicht halb so beeindruckend aussieht... eine Kaskade aus herabstürzendem Wasser. 
Und nach einer sehr kurzen Einführung bekamen wir mal wieder Helme aufgesetzt, einen Gurt um die Beine und die Hüfte und einen Handschuh an die linke Hand. Und dann stand ich schon an der Kante, kletterte über die Seilsicherung und hing plötzlich an einer fast senkrechten Felswand inmitten spritzendem Wasser. Der Abstieg dauert, je nach Schnelligkeit des Kletterers, leider nur 5-10min. Dafür erwarten einen unten traumhafte kleine Wasserbecken mit Sprudeln und einer Natur wie aus dem Dschungelbuch.
Noch ziemlich durchnässt stiegen wir am frühen Nachmittag wieder in den Bus zurück nach San Gil. Nach einer kleinen Verschnaufpause in unserem wunderschönen kleinen Hostel mit Dusche unter freiem Himmel noch eine letzte Tour nach Barichara, einem Dorf, das für seine romantische Schönheit bekannt ist. Viele kleine weiße Häuser, Blumenranken in kräftigem lila und kleine Läden voller Artesanías... Und wie klein die Welt doch ist, dachten wir mal wieder als wir beim Kaufen der Bustickets zurück auf eine andere Gruppe deutscher Jugendliche stießen, die ebenfalls als Freiwillige in Kolumbien waren – aber es waren nicht nur ''irgendwelche Deutschen'': das eine Mädchen kam auf uns zu und meinte mit großen Augen ''Sophie???''. Die beiden hatten sich bei einem Auswahlwochenende von AFS vor gut einem Jahr in Deutschland getroffen :).

Damit ging unsere Reise leider auch schon wieder ihrem Ende zu, Montagmorgen stiegen wir wieder in den Bus und waren am frühen Nachmittag im grauen, nassen Bogotá...
Dabei fällt mir auf, dass ich euch eigentlich mal einen Alltags-Post schulde – schließlich spielt sich meine Leben zwischen den Reisen doch auch in dieser Großstadt hier ab. Dazu mehr wenn ich nächste Woche wiederkomme - aber erst mal heißt es 5 Tage Amazonas: Dschungel, Schlamm, Mosquitos, Piranhas- ICH KOMME!!!

Abrazos y Besitos para todos,
que estén bien- Wanda

Sonntag, 18. November 2012

Und wieder ein Quäntchen Sonne...

Meine lieben Damen und Herren,
bevor mal wieder ein ausführlich Bericht folgt könnt hier schon mal ein paar Fotos von meinem wunderbaren Ausflug nach San Gil sehen...
Neben einer Höhlentour, Paragliding und Abseilen an Wasserfällen haben wir auch ein ruhige Runde durch den Naturpark Gallineral und das bezaubernde Dörfchen Barrichara gemacht... viel Spaß beim schauen. :)
Mehr Details und action-reiche Bilder folgen bald...

https://www.dropbox.com/sh/1i996u2ts4bqzyg/BJzAAIXprO

Mit allerliebsten Grüßen,
Wanda

Samstag, 20. Oktober 2012

¡Vamos a bailar!

Tanzen wie Shakira... schon die ganz Kleinen wissen hier wie es geht- da kann jeder Europäer einstecken! Und selbst die Jungs tanzen; wie ihr in dem Video sehen könnt :)
Ein kleiner Einblick in einen meiner kolumbianischen Familienabende... Darf ich vorstellen: Meine Gastcousinen/-cousin Paula, Nana, Isabella, Sofia und Thomas!


Und so sieht meine Familie beim deutsch lernen am Abendbrotstisch aus ;)


Nein, deutsch ist das nicht wirklich. Klingt eher wie ein Haufen kleiner, wütender Chinesen :D Derjenige, der da immer von der Seite reinredet ist übrigens mein Gastvater...


Ich hoffe ihr genießt die kleinen Momente,
con muchos saludos- Wanda

Donnerstag, 11. Oktober 2012

Ein Wochenende in der Sonne

Einen schönen guten Morgen an alle,

meine Uhr zeigt 10.21 Uhr und da ich- wie vielleicht einige von euch schon mit bekommmen haben- vormittags selten arbeite, nehme ich mir jetzt die Zeit, ein bisschen was nachzuholen was ihr verpasst habt :).
Wer den letzten Post nicht gesehen hat- hier noch mal den Link zu dem kompletten Fotoalbum:


Ein Wochenende in der Sonne- das hatte ich vor jetzt schon fast 2 Wochen. Freitagabend, den 31. September, traf ich mich mit einer anderen deutschen Freiwilligen am Terminal de Transporte de Bogotá- eine Art Reisezentrum für diverse Busse in alle Himmelsrichtungen des Landes.
Dort nahmen wir den nächsten Bus nach Girardot- unserem Reiseziel. Wenn man dem Internet glauben mag, ungefähr 124km, je nach Rute.

Schon allein das pünktliche Abfahren ist in Kolumbien ja eine Unmöglichkeit und so begannen wir schließlich gegen 8:00 Uhr abends unsere Reise in einem kleinen, ungefähr 15-mann Bus. Auf der Karte kann man das leider nicht sehen, aber von Bogotá aus begannen wir einen beträchtlichen Abstieg durch die Berge. Während die Hauptstadt auf ungefähr 2600m Höhe liegt, befindet sich Girardot auf ca. 289m Höhe- was auch die Durchschnittstemperatur von mindestens 30° erklärt! Da wir bei Nacht gefahren sind (ab 6:00 Uhr wird es hier dunkel), konnten wir leider wenig von unserer Umgebung sehen- auf dem Rückweg war es zwar hell, dafür sind uns da die Augen vor Müdigkeit zugefallen. Dafür stieg unsere Euphorie mit dem immer wärmer werdenden Wind, der durch das Fenster herein wehte. Man muss sich vorstellen, wie es ist, wenn man in Bogotá mit einer Durchschnittstemperatur von 15° lebt und dann plötzlich warmen Wind auf dem Gesicht spürt- wenn man um sich rum nur noch Wärme wahrnimmt. Auch in Bogotá kann es gerade zu heiß werden, wenn die Sonne scheint. Aber in Girardot kommt die Wärme aus der Erde, sie hüllt dich zu jeder Tages- und Nachtzeit ein wie ein Tuch. Mal schwül, mal trocken, mal tropisch wenn es regnet... Wer mich kennt, weiß, dass ich eher ein Verfechter der warmen Temperaturen bin :D.

Als wir gegen halb 12 nachts schließlich in der - im Vergleich zu Bogotá - kleinen Stadt am Rande des Departements (=Bundesland) Cundinamarca ankamen, wurden wir sehr herzlich mit Namensschildern und freudigen Willkommensrufen von unseren beiden Mitfreiwilligen und deren Familie begrüßt. Schon am Temperament der Leute kann man ihnen die Wärme an merken – auch in Bogotá sind die Menschen offen und freundlich, aber ihnen fehlt manchmal ein bisschen das Feuer der Leute, die in warmen Gegenden leben.
Unseren Besuch bei Flora und Sophie (ebenfalls deutsche Freiwillige von AFS) begannen wir mit einem ausgiebigen Nachtbad im Pool... dazu wurden uns von Sophies Gastmutter Pili die ersten Baileys gereicht! Der Anfang eines wundervollen, entspannten Wochenendes in der Sonne...

Nach einem wirklich leckeren Frühstück bestehend aus Pancakes und Arepa con queso, zubereitet von den Empleadas (=Hausangestellte) der Familie, verbrachten wir fast den ganzen Samstag im Pool. Wie viele Runden Mojiitos es gab, weiß ich schon nicht mehr. Bei strahlender Sonne, lustigen Gesprächen mit den Gasteltern und der ''Gastoma'' Olga und so einigen Tanzstunden unter Wasser (ist nicht so peinlich, weil keiner richtig sehen kann, was du da unter Wasser genau mit deinen Beinen machst) verging die Zeit wie im Flug.
Nachdem es zu meiner hellen Freude mittags eine Fischsuppe mit Shrimps gab (yeah, mein Leibgericht), fielen wir um 3 Uhr nachmittags völlig ermattet in unsere Betten und hielten eine Stunde Siesta. Diese Mittagszeit, die man vor allem aus Spanien kennt, und in der oft auch Geschäfte geschlossen haben, gibt es hier anscheinend nur in den sehr warmen Gegenden.

Nach der kleinen Erholungspause vom Nichtstun, zeigten uns Flora und Sophie die Umgebung- genauer gesagt, das Conjunto in dem sie mit ihrer Familie leben. Conjuntos gibt es hier in den kolumbianischen Städten öfter - das sind geschlossene Wohngegenden, die oft ähnlich wie deutsche Gartenanlagen nach Plan angelegt wurden. Sie sind kleine, abgeschlossene Inseln, haben oft eigene Einkaufszentren und Vergnügungsplätze. Oft siedeln sich hier die reicheren Leute an, da die Conjuntos durch ihre Abriegelung fast vollkommen sicher sind.
''El Peñon'' wie sich das Conjunto nennt, in dem wir waren, ist eins der bekanntesten Girardots. Im Gegensatz zu ähnlichen Anlagen sind die Häuser in Größe und Form sehr unterschiedlich- nur eins haben sie gemeinsam: sie sind fast alle weiß, haben Palmen im ''Vorgarten'' und sind meist unglaublich übertrieben! Viele der Häuser sind nicht dauerhaft bewohnt, sondern dienen den reicheren Familien aus Bogotá als Feriendomizil. Deshalb wirkt diese kleine Insel manchmal wie ausgestorben. 
Außer einem Exitó (diese französische Supermarktkette gehört hier neben dem Carrefour- ebenfalls französisch- zu den größten und beliebtesten Einkaufszentren) gibt es natürlich ein Clubhaus mit See, Pool und eigenem Spa, ein Golfplatz, sowie Tennis- und Fußballplätze. Und auf den Straßen sieht man vor allem Golf Cars- man hat das Gefühl, man ist in einem dieser amerikanischen Filme gelandet, in dem die Männer mit ihren Golfcars zum Golf fahren, während ihr Frauen sich am Pool die Nägel lackieren...

Auf der einen Seite fühlt man sich wirklich sicher - man kann hier auch noch nachts durch die Straßen streunen. Ein Pool hinterm Haus und immer eisgekühlte Säfte im Kühlschrank zu haben fühlt sich für eine Weile sehr gut an – aber man fängt auch an, nachzudenken. Ich stell mit vor, dass die Kinder die in diesem Conjunto aufwachsen, denken, dass die ganze Welt so aussieht. So weiß und sauber und sicher. Und, dass das was wir erlebt haben, ein sehr gutes Beispiel für die Kolumbianische ''Blase'' ist, von der uns auf unseren Vorbereitungsseminaren erzählt wurde: Es gibt sie überall im Land, in großen und kleinen Städten. Sie bezeichnet die Gegenden, in denen die reichen Leute Kolumbiens wohnen, arbeiten - einfach leben, während nebenan vielleicht gleich eines der Armenviertel liegt. Sie wissen theoretisch, dass es nicht im ganzen Land so aussieht wie in ihrem Viertel, aber sie nehmen nur ihre Realität wahr. Von Indigenas (=Ureinwohner) und Menschen, die auf der Straße leben, haben sie gehört- vielleicht gehören sie auch zu den politischen Menschen, die darüber reden - aber wirklich kennen tun sie die andere Seite nicht.
Ich möchte nicht behaupten, dass ich das tue. Aber ich glaube, dass wir durch unsere Vorbereitung und unsere schulische Geschichtsbildung teilweise ein reflektierteres Bild von der kolumbianischen Gesellschaft haben, als die Leute, die nur auf der ''reichen Seite'' aufgewachsen sind.

Zurück nach Girardot, wo unsere Wochenends-Gastfamilie sicherlich sehr reich, aber auch unglaublich herzlich, großzügig und humorvoll ist! Nachdem ich Samstagabend in der Innenstadt den bisher leckersten Hot-Dog gegessen hab (und glaub mir, ich habe hier schon viele gegessen), sind wir Abends alle todmüde und gehen nach einer erfrischenden Runde im Pool auch schon ins Bett- tanzen gehen fällt leider aus, weil am Sonntag Wahlen sind, und es hier eine Regel gibt, die das Ausschenken von alkoholischen Getränken vor Wahlen verbietet.

Der Sonntagmorgen beginnt für unser Gefühl viel zu früh- nach dem ich mich nachts in dem klimatisierten Schlafzimmer fast erkältet hab, wird schon um 10 Uhr an die Tür geklopft- es geht los... Es geht schon los? Die Uhrzeit war tatsächlich ausgemacht, aber wie wir die Kolumbianer kennen, haben wir das Frühstück auf um 10 und das Losgehen auf um 11 angesetzt. Fehlanzeige, unsere liebenswürdige Gastfamilie hat viel mit uns vor. Mit dem Golfcar geht es zum See – unser Gastvater folgt uns mit dem Landrover, ein Motorboot im Schlepptau.

Und dann heißt es auch schon ab ins Boot, unsere beiden Freundinnen aus Girardot und ihr Gastbruder auf den Perro Caliente und ab geht’s. Zur Erklärung: Perro Caliente ist der spanische Begriff für Hot Dog - und dabei handelt es sich in diesem Fall um nichts zu Essen sondern ein aufblasbares Etwas in der Form eines Hot Dogs, sonst bekannt als Bananenboot. In unserem Fall haben drei Personen darauf Platz. Nachdem alle auf ihren ''Plätzen'' sind (Pili und unsere Gastoma Olga bleiben am Steg und betrachten das Spektakel von Weitem), geht es los. Mit einem Seil wird das Gummiboot an dem Motorboot befestigt, unser ''Gastvater'' gibt Gas und dann heißt es Festhalten für die drei Reiter des Hot Dogs...

 Nachdem auch Doro und ich uns zweimal von dem Gummiboot haben abschmeißen lassen, wartet die nächste Herausforderung auf uns: Wasserski bzw. Wakeboarding. Nachdem unsere Freundinnen sich ziemlich gut auf den Wasserski machen, entscheiden Doro und ich uns für das Wakeboard. Was so leicht aussieht, stellt sich als ziemlich schwer heraus :). Während das Stehen und Fahren garnicht mal so schwer ist, ist das ''Anfahren'' dafür um so komplizierter.
Nach 7 Versuchen, die mir schon fast alle Kraft rauben und mich jedesmal kopfüber ins Wasser plumpsen lassen, schaffe ich es in eine aufrechtere Position und tadaaa - wär hätte es gedacht, ich bleibe stehen und boarde über das Wasser. Das heißt, viel tun außer die Position bewahren muss man nicht- aber mit den Palmen im Hintergrund sieht es doch gleich viel aufregender aus!


Zur Krönung des Tages nimmt uns dann noch ein Freund der Familie auf seinem Jetski eine Runde um den See mit... Miami lässt grüßen :D
Viel zu schnell sind unsere Tage in Girardot vergangen und Montag früh packen wir wieder unsere Taschen und steigen in einen - diesmal richtig großen – Reisebus nach Hause. Zum Abschied regnet es und wir müssen feststellen - selbst der Regen in Girardot ist schöner als in Bogotá!
Unterwegs schrammt unser ungestümer Busfahrer einen anderen Bus und macht seinen eigenen Seitenspiegel dabei platt - eine halbe Stunde bleiben wir stehen und warten. Worauf; das wusste keiner so recht. Am Ende sind wir statt geplanter 3 Stunden fast 4 eineinhalb Stunden unterwegs - aber was macht das schon, wenn man sich dafür mitten im pulsierenden Kolumbien befindet?!

Einen kleinen Sonnengruß aus Bogotá,
ich hoffe es geht euch gut.
Wanda

Mittwoch, 10. Oktober 2012

''Ihr habt die Uhren, wir haben die Zeit...''

Erst einen Monat nichts, und jetzt sogar 2 Posts an einem Tag (kolumbianischer Zeit)... :)
Ich hab euch ja unten links ein paar andere Bloglinks aufgelistet- von Freundinnen, die ihr Jahr in Spanien, Griechenland, Peru und auch Kolumbien verbringen. Ich habe gerade den neusten Eintrag von Doro über das kolumbianische ''Zeitphänomen'' gelesen und war so begeistert, dass ich den Text gern mit euch teilen möchte:

http://dschungelkind.wordpress.com/2012/10/10/ihr-habt-die-uhren-wir-haben-die-zeit/#comment-17

Ich könnte es selbst nicht halb so gut darstellen- ich finde, sie hat es einfach auf den Punkt gebracht. Und weil ihre Beschreibungen genauso auf mein Leben hier zutreffen, möchte ich euch den Eintrag sehr empfehlen, wenn ihr ein bisschen mehr Einblick in die Kultur bekommen wollt, in der ich hier gerade lebe.

Mit lieben Grüßen,
W

Sonne...

Ihr Lieben,
ich weiß- ich hab euch sehr vernachlässigt. Damit ihr in der Zwischenzeit schon mal ein paar Fotos sehen könnt, hab ich ein Ordner in meiner Dropbox mit Fotos angelegt- Dropbox??? Manche von euch kennen dieses Program vielleicht schon, andere nicht. Aber das ist völlig unwichtig, denn es funktioniert ganz einfach:
Ich werde euch unter diesem Text einen Link posten, denn ihr einfach anklicken könnt- und tadaaaaa... da sind die Fotos von meinem Wochenende in Girardot. Was ich da genau gemacht hab, wie ich hingekommen bin und einiges mehr werde ich euch in ein paar Tagen schreiben. Bis dahin viel Spaß beim Angucken der Bilder!

https://www.dropbox.com/sh/1i996u2ts4bqzyg/MFQVBImWWB/Ein%20Sonnen-Wochenende 

Un gran abrazo para todos,
eure Wanda.

Donnerstag, 13. September 2012

Mein Projekt

Hallo ihr Lieben,

ich hab es endlich geschafft und einen kleinen Text über mein Projekt und meine Arbeit dortgeschriebn. Den findet ihr, selbsterklärend, unter der Rubrik ''Mein Projekt'' ober in der Leiste.
Lest und erhaltet einen kleinen Einblick in meinen derzeitigen Alltag!

Liebe Grüße von Wanda

Montag, 3. September 2012

Colombia es Pasión

... das ist nicht nur ein Werbeslogan, sondern auch allgemein eine Art Lebenseinstellung. Wenn etwas nicht gleich funktioniert, alles zeitlich ein bisschen nach hinten rückt oder keiner überhaupt weiß, wann, wo oder wie... dann heißt es << ¡Ah, colombia es pasión! >>. Was ungefähr bedeutet ''sei ein bisschen entspannt, nimm es so, wie es kommt''.
Eine beispielhafte Situation habe ich letzten Freitag erlebt: Wir Freiwillige aus Bogotá und Umgebung haben uns mit einem AFS-Mitarbeiter getroffen, um unser Visum beim DAS, der Ausländerbehörde, bestätigen zu lassen und unseren kolumbianischen Ausweis zu beantragen. Unter anderem sollten wir 3 Passbilder mitbringen- mit blauem Hintergrund. Nach anfänglicher Unruhe- ''Aber ich hab nur Fotos mit weißem Hintergrund!''- wurde uns versichert, wir könnten entsprechende Passbilder vor Ort machen. Auf dem Weg zur Behörde fing es an zu regnen- nicht gerade eine Überraschung hier in Bogotá auf 2600 Metern Höhe, aber mit Aussicht auf Fotos gerade für die Mädchen sehr unpassend ;). Aber Zeit zum ''Zurechtmachen'' blieb uns sowieso nicht - bevor wir uns versahen, standen wir an einer Bushaltestelle neben einem Mann mit einem blauen Tuch und einer Digitalkamera. Innerhalb von 5 Minuten waren wir alle - äußerst unvorteilhaft, aber immerhin - vor blauem Hintergrund verewigt. Weitere 5 Minuten später hielten wir alle 4 Bildchen in der Hand - für umgerechnet ungefähr 2,70€. Das ist Kolumbien - mit all seiner Spontanität und Kreativität!
eine Bushaltestelle, ein blaues Tuch und eine Digitalkamera...
Ein weiteres kolumbianisches ''Abenteuer'' war für mich die erste Busfahrt. Bogotá ist eine riesige Großstadt mit offiziell 8 Millionen Einwohner. Wer hier kein eigenes Auto oder Motorrad besitzt, nimmt ein Taxi oder eben den Bus. Es gibt grundsätzlichen 2 Arten: den Transmilenio, bekannt für seine Sicherheit, aber auch für seine Überfülltheit, und die kleineren Busse, die Colectivos.
Warteschlange an einer Haltestelle des Transmilenios
Die Colectivos haben eine Nummer (die aber niemanden etwas sagt, außer man nimmt jedes mal den gleichen Bus) und ein Schild mit Zielort und ein paar Straßen und wichtigen Orten, an denen der Bus vorbeifährt. Einen Plan der Routen gibt es nämlich nicht; sie fahren, soweit ich das bis jetzt verstanden habe, eine bestimmte bis abweichende Strecke kreuz und quer durch die Stadt.
Bushaltestellen für die Colectivos gibt es nicht, sie werden wie Taxis benutzt: Man stellt sich an den Straßenrand, wartet auf den richtigen Bus und hält die Hand raus. Der Bus hält mit offenen Türen, man springt rein und los geht's. Ein Rätsel sind mir dabei die Busfahrer- sie müssen gleichzeitig fahren, das Fahrtgeld der zusteigenden Leute entgegennehmen, das Rückgeld zählen und - nicht zu vergessen- nach wartenden Menschen am Straßenrand Ausschau halten. Und das bei einem Verkehr, den man nur als chaotisch bezeichnen kann.
...außerdem unterscheiden sich die Colectivos in ihren Farben
Der Transmilenio dagegen ist ein bisschen übersichtlicher und hat auch ein System was selbst Nicht-Bogotano relativ stell durchsteigt:
Es gibt verschiedene Linien die immer aus einem Buchstaben (zeigen die Endstation der Linie an) und einer Nummer bestehen. Um so höher die Nummer, um so weniger Stationen fährt der Bus auf seiner Route an und ist damit um so schneller. Die ''Rutas faciles'' (Nummern von 1-5) fahren jede Station auf ihrer Route an.
Die Haltestellen sind komplett geschlossene Stationen mit Drehkreuzen, die nur mit einer Karte und entsprechendem ''Guthaben'' passiert werden können. An den Seiten der Stationen befinden sich Türen, die automatisch aufgehen wenn ein Bus davor hält, sodass man direkt von der Station in den Bus steigt (nicht ebenerdig).
Nicht nur das durchschaubar System macht dabei den Transmilenio zum besseren Verkehrsmittel, außerdem haben die Busse eigene abgesperrte Spuren auf den Straßen, sodass sie weitgehend vom normalen Verkehr nicht beeinflusst werden- zu Verkehrsstoßzeiten ein extremer Vorteil.

Ich hab schon einmal etwas zum Verkehr gesagt- ich muss mich verbessern: Es funktioniert meistens ganz gut, häufig aber auch nicht. Zu den Stoßzeiten verknotet sich der Verkehr auf den großen Kreuzungen bis zur Unmöglichkeit, die Hupen stehen nicht mehr still. Ein weitere großer Unterschied zum Autofahren in Deutschland sind die Anschnallregeln: Für den Fahrer und den Mitfahrer gibt es die Vorschrift, für den Rücksitz nicht. Hier werden auch Taxis mit nur 4 Sitzplätzen fröhlich mit 6 Personen vollgestopft - so lange es funktioniert, warum nicht?
Dazu muss ich sagen, das auf den ersten Blick die Regeln und Vorsichtsmaßnahmen hier in Bezug auf Sicherheit sehr paradox erscheinen. Auf der einen Seite dieser chaotische Verkehr, in dem kaum Regeln beachtet werden und jeder für seine eigene Sicherheit verantwortlich ist, auf der anderen Seite Polizei und Militär auf allen großen Plätzen und auch in den Vierteln, Sicherheitskontrollen an den Eingängen von großen Einkaufszentren (<<centros comerciales>>) und Parkhäusern. Das eine ist <<Pasión>>, das andere ist die Folge der kolumbianischen Geschichte. Gerade weil in der Vergangenheit die Bevölkerung viel unter Unsicherheit und den Machtkämpfen zwischen Staat und Opposition gelitten hat, wird Sicherheit heute groß geschrieben. Und immer noch ist Kolumbien ein Land, das um seine Einigkeit und seinen Frieden kämpft. Hier in den reichen Gegenden bekommt man das nicht so stark zu spüren, aber es gibt immer wieder zwischen den reichen Zonen auch arme, ''gefährliche'' Viertel.
Ich werde versuchen, euch so objektiv wie möglich einen kleinen Einblick in dieses Land zu geben, aber bitte denkt immer daran, dass ich euch nur von einem Blickpunkt aus berichten kann. Das hier ist bloß eine von vielen Seiten. Und als Ausländer und als <<Mono>>; als Weiße, habe ich noch mal eine ganz andere Position in dieser Gesellschaft.

So, damit will ich heute schließen. In ein paar Stunden werde ich meine erste Busfahrt ganz allein antreten und mich in meinem Projekt vorstellen...
Ich hoffe euch geht es gut,
liebe Grüße von Wanda

P.S.: Noch eine gute Nachricht: Mein Gastvater hat mir den Trick gezeigt, wie man in der Dusche auch warmes Wasser bekommt (<<Muchas gracias a Jorge!>>), jetzt muss ich fast aufpassen, mich nicht zu verbrühen ;).


Sonntag, 2. September 2012

Impressionen

Meine Straße

die gegenüberliegende Straßenseite meines Hauses




Bogotá bei Nacht, Blick auf eine große Avenida

...im Hintergrund die Berge

  


Mittwoch, 29. August 2012

Guten Morgen


Ein neuer Tag ist angebrochen und ich werde mich meinem ersten richtigen Post widmen - am besten fang ich ganz vorn an:
Nach 2 wunderschönen Vorbereitungsseminaren von jeweils 6 Tagen, in denen ich meine MitstreiterInnen kennenlernte und viele Informationen und Gedankenanregungen über Kolumbien und zur kolumbianischen Kultur bekam, begann meine Reise letzten Dienstag, am 21.August. Erste Etappe war der Flug von Berlin nach Frankfurt, wo drei Berliner und ich auf den Rest der Flüchtigen stießen.
Während sich in den letzten Tagen in Halle die Vorfreude auf Neues mit dem Bedauern über das, was ich zurück lassen würde, mischte, war der Abschied vor allem traurig... An dieser Stelle möchte ich mich noch mal für all die lieben Verabschiedungen meiner Familie und meiner Freunde bedanken! Manche direkt, manche schon vor einiger Zeit, manche übers Telefon, manche schriftlich... aber alle haben mir gezeigt, welchen Menschen ich wichtig bin und auch in einem Jahr noch wichtig sein werde. Dankeschön!

In Frankfurt ging es dann auf die wirklich lange Reise: 11 Stunden Direktflug nach Santafé de Bogotá, der Hauptstadt der República de Colombia. Hier sollte unser ''Onarrival-Camp'' stattfinden, eine Art Vorbereitungsseminar vor Ort, geleitet von den Mitarbeitern von AFS Colombia.
Ob man es glaubt oder nicht, 11 Stunden gehen schnell vorbei - und am frühen Abend (Ortszeit) kamen wir hier an, auf 2600 Meter Höhe! Das erste was mir ins Auge fiel: der Verkehr. Es gibt Verkehrsregeln, die aber offensichtlich kaum eingehalten werden- wer sich hier nicht auskennt, ist Rettungslos verloren. Hier fährt einer rasanter als der andere, Blinker werden höchstens zum Abbiegen benutzt. Ich weiß nicht wie es funktioniert, es scheint ein unsichtbares Übereinkommen der Fahrer zu geben; es wird zwar viel gehupt, aber trotz allem funktioniert es. Es sieht aus wie ein geregeltes Chaos. Zwischen den Bussen und Autos kurven Motorradfahrer und Straßenverkäufer spazieren auf der Straße und bieten ihre Ware an den Fenstern der Autos an; neben den Taxis fahren Pferdekarren.
Nach drei Tagen Seminar, in denen noch ein mal ein paar Sicherheitsregeln erläutert wurden und es einen sehr guten Vortrag zur Geschichte Kolumbiens gab, wurden Freitag die ersten Freiwilligen von ihren Familien abgeholt - unter anderem ich! Wenn vorher noch alle sehr entspannt die Sonne genossen, kam plötzlich leise Nervosität auf. Und dann stand ich plötzlich meinem lächelnden Gastvater gegenüber und wurde mit <<Hola Wanda ¿como etás?>> begrüßt (was so viel heißt wie: ''Hallo Wanda, wie geht es dir?''). Es ist hier Standard direkt nach der Begrüßung die Frage nach dem Wohlergehen des Gegenüber einzuschieben – es wird zwar geantwortet, aber es handelt sich mehr um eine Floskel.
Schließlich stieg ich zu meiner Überraschung mit einer anderen Freiwilligen ins Auto- dank ihrem perfekten Spanisch fanden wir schnell heraus, das sie die Gasttochter der Schwester meines Gastvaters war... Angekommen in meinem neuen Zuhause (mit eigenem Zimmer und eigenem Bad!) lernte ich den restlichen Teil meiner Gastfamilie kennen: meine Gastmutter und meine kleine 7 Monate alte Gastschwester. Aber bei dieser beschaulichen Runde bleibt es selten; schon am ersten Abend war die Hälfte der ganzen Familie in unserem Wohnzimmer versammelt. Nach und nach fing ich an die komplexen Familienstrukturen zu verstehen, auch wenn ich nicht behaupten will, dass ich jetzt schon jeder Familie die richtigen Kinder zuordnen kann :). 
Mein Gastvater Jorge mit meiner Gastschwester Sara und meine Gastmutter Johanna.

Der nächste Morgen ließ mir nicht viel Zeit zur Eingewöhnung, mein 19-jähriger Gastcousin und seine Schwester holten mich zu einer Shoppingtour ab. Aber nicht irgendeiner – meiner Gastcousine stand am Abend eine Überraschungsparty zu ihrem 15. Geburtstag bevor. ''El quince'' (der 15.) ist hier ein sehr wichtiger Geburtstag – ein bisschen wie in Deutschland der 18. Nach dem ein Kleid, Schuhe, Ohrringe und eine Kette gekauft waren, ging es in eine ''Peluquería'', wo meiner Gastcousine nicht nur die Haare, sondern auch das Make-Up und die Fingernägel gemacht wurden. Danach blieb mir gerade noch Zeit zum Umziehen, bevor die ganze Familie sich aufmachte zum Restaurant meines Gastvaters, wo die Fiesta stattfinden sollte.
Meine Chicitas und ich.

Neben meinen ganzen kleinen Gastcousinen wurde ich noch vielen weiteren Familienangehörigen vorgestellt... Während die meisten Gesichter in meinem Gedächtnis haften geblieben sind, ist der ein oder andere Name schon entfallen – aber ich werde wohl noch viele Gelegenheiten haben sie mir einzuprägen, denn hier wird viel in der Familie gefeiert. Und zu so einer Feier gehört natürlich Musik und... SALSA!!! Es ist unglaublich, was für einen Hüftschwung schon die ganz Kleinen hier drauf haben und dann erst die Frauen- aus lauter Mitleid wurden mir an diesem Abend schon mehrere Tanzkurse zuteil. Aber nicht nur ihre Tanzkünste offenbarte meine kolumbianische Familie an diesem Abend, sondern auch ihre offene, herzliche Art. Mehr als einmal wurde mir mit einem herzlichen <<¡Bienvenido!>> (''Willkommen!'') Hilfe in allen Notlagen angeboten!
Meine Gastfamilie, das Geburtstagskind Laura und ich.

Mit diesem herzlichen Ankommen in meinem neuen Heimatland will ich diesen Post schließen – mittlerweile ist es 12.00 Uhr Mittags und ich werde mich unter die kalte Dusche wagen; leider wahr, warmes Wasser gibt es in meinem Bad selten :)

Liebe Grüße und hasta luego,
Wanda


Dienstag, 28. August 2012

MAYUMANA

Ihr Lieben- das hier hat mir mein Gastvater heute gezeigt und ich möchte es gern mit euch teilen. Schaut es euch einfach an- ich find es genial.


Wer mehr wissen oder sehen will: http://www.mayumana.com/history.asp

¡Buenos Dias Señoras y Señores!

Guten Tag, Guten Abend! Das hängt ganz davon ab, auf welchem Kontinent ihr euch gerade befindet- während es hier in Bogotá, der Hauptstadt Kolumbiens, gerade erst 12.00 Uhr Mittags ist, bricht in Deutschland schon der Abend an...
Aber ganz egal wo ihr euch befindet- hiermit möchte ich euch herzlich willkommen heißen in meinem Blog! 

Hier werdet ihr im laufe der nächsten 12 Monate regelmäßig oder auch weniger regelmäßig Lebenszeichen von mir sehen und lesen. Ich nehme euch mit auf eine große Reise, quer über den Atlantik auf einen anderen Kontinent, in ein Land das die meisten nur durch Erzählungen kennen: Kolumbien!

Seid lieb gegrüßt,
Wanda

P.S. Für alle, die sich ähnlich wie ich hier noch nicht wirklich zurechtfinden: In der linken Spalte neben diesem Post findet ihr ein kleines Feld mit dem Namen 'Follow by Mail' - da könnt ihr eure Email-Adresse eintragen und bekommt dann jedesmal Post, wenn sich hier etwas tut!