''Das Geheimnis ist, ohne die Antwort zu leben''

Sonntag, 7. April 2013

Doch, ich arbeite - Teil 1

Schon oft wurde ich gefragt: ''Sag mal, arbeitest du überhaupt???'' und für diejenigen von euch, die aufgrund zu vieler Strandbilder mit bilderbuchblauem Meer im Hintergrund zu ähnlicher Ansicht gekommen sind, dieser Eintrag: Doch, ich arbeite!
Ich habe einmal ganz am Anfang eine Seite angelegt, die sich ''Mein Projekt'' nennt (oben in der Leiste zu finden). Allerdings hat sich seit dem viel geändert und mittlerweile zähle ich noch ein anderes Projekt zu den meinen, das mir nicht offiziell zugeteilt wurde, sondern mir mit all seinem Charme und lieben Menschen über den Weg gelaufen ist...

Beginne ich mit der Musikschule, der ''Compañia Filarmonica de los Andes'', die mein offizielles AFS-Projekt ist. Viermal die Woche bin ich dort nachmittags bis abends, nur Freitag fange ich schon morgens um 9 an und hab so einen freien Nachmittag. Gibt es Samstags Konzerte, muss ich auch da manchmal helfen.
Meine Arbeit an sich lässt sich schwer mit einem Begriff beschreiben - vielleicht noch am besten mit ''Mädchen für alles''. Ich habe schon Verlängerungskabel mit Heißklebepistole an Leisten geklebt, Notenlinien auf großen Schultafeln mit Acrylfarbe nach gemalt (so 3 Wochen ungefähr), weiße Farbe von Holzrahmen abgeschabt und mit Sandpapier nach poliert und unzählige Notenübersichten und Rhythmusspiele (natürlich auf spanisch) gemalt, gebastelt & geklebt.
Mein ''neustes Projekt'' ist der Modellbau eines kleinen Dorfes mit 14 Miniaturhäusern, 28 Treppchen und 3 Straßen auf einem Spielfeld der Größe A1 ungefähr, das Kindern das Lernen der Dur- und Moll-Tonarten erleichtern soll. Nichts leichter als das - außerdem muss es natürlich zusammenklappbar sein. Ich habe viel Zeit und ''paciencia'' (Geduld)...




Nebenbei mach ich Fotos, die die Musikschule für ihre diversen
Publikationen verwendet, entwerfe Aushänge für Konzerte oder schmücke den Eingang anlässlich von Feiertagen, Festen und ''Jahreszeiten''.




Ein mal in der Woche habe ich eine Stunde mit meinem Klavierschüler Alejandro.
Alejandro ist 32 Jahre alt und lernt schon seit ungefähr 20 Jahren Klavier und Gesang in der Filarmonica. Wenn ich Dienstagnachmittag um zwanzig nach 2 in die Musikschule komme - <<Ya te volviste colombiana!>> bekomme ich allerorts zu hören (''Du bist schon richtig kolumbianisch geworden!'') - kommt meine Chefin aus dem Unterrichtszimmer, schüttelt den Kopf und sagt ''Wanda, ich kann nicht mehr. Du bist dran.''. Als ich mich neben Alejandro ans Klavier setze, lächelt er nur entschuldigend und schaut auf die Noten die vor ihm stehen. Nun wahrscheinlich schon seit einem Monat dieselbe Seite. Meine Chefin, und gleichzeitig Klavier-, Gesangs- & Musiktheorielehrerin der Musikschule, zeigt mir welche Takte nicht gut klingen und welche Tonleiter wir üben sollen. Dann ermahnt sie meinen Schüler ''juicoso'' (vernünftig, brav) zu sein, wünscht mir viel Glück und verlässt das Zimmer. 

Ich lasse Alejandro erst einmal das ganze Stück vorspielen. Dann spielt er nur den einen schwierigen Takt. Ich erkläre ihm, warum der Rhythmus falsch ist und spiele ihm selbst den Takt vor. Er nickt fleißig und spielt den Takt wieder falsch. Ich lasse ihn verschiedene Noten-Kombinationen einzeln spielen und hundertmal wiederholen. Danach spielt er den Takt wieder 20 Mal falsch. Dann spielt er ihn richtig - ich juble!!! Die nächsten 10 Mal spielt er ihn wieder leicht unrhythmisch. Egal- irgendwie haben wir doch was geschafft diese Stunde. Und vielleicht spielt er nächste Stunde den Takt ja zweimal richtig.
Was für eine Krankheit Alejandro genau hat weiß ich nicht. Meine Chefin hat mir einmal erklärt, er würde 7mal so lange brauchen um etwas zu lernen wie ein Mensch mit durchschnittlicher Lernfähigkeit. Oft erstaunt mich aber am meisten seine eigene Geduld. Manchmal ist er ein bisschen wie ein kleiner Junge, aber er beschwert sich nie, wenn ich ihn 10 Minuten lang die gleichen 3 Noten spielen lasse. Auf Leute, die ihn nicht kennen, wirkt er wie ein ''normaler'' junger Mann, sehr ruhig, ein bisschen langsam, ein bisschen schusselig. So weit ich weiß, verdient er auch selbst Geld mit dem Verkauf von Perfums, davon leben kann er aber wohl eher nicht. Seine Freizeit verbringt er größtenteils bei uns – übt Klavier, singt oder... lernt Deutsch in meinem Kurs.

Jeden Dienstag- und jeden Mittwochabend kommen außer Alejandro noch 4-5 weitere Schüler in die Filarmonica um in meinem Kurs deutsch zu lernen. Warum? Ich habe keine Ahnung! Tatsache ist, dass alle meine Schüler freiwillig kommen und lernen.
Wenige haben schon bei meinen deutschen Vorgängern ein wenig gelernt – für andere ist die deutsche Sprache nicht mehr als ein fremdes Phänomen. Und ich gebe zu – auch mir wird sie immer fremder. Nicht nur durch die fehlende Übung; um so mehr ich mich in grammatische Strukturen vertiefe, um meinen Schülern logische Antworten zu geben, um so unsinniger scheint mir diese Sprache zu sein. Mein Kurs ist gerade mal ganz am Anfang aller Grammatik und doch stolpere ich schon über mir völlig unklare Dinge - wie zum Beispiel dem Akkusativ. Warum brauchen wir denn überhaupt Fälle??? Dazu kommt, dass ich meinen Schüler meistens erst einmal die spanische Sprache erklären muss, um dann einen logischen Bezug zur deutschen Grammatik zu schaffen. Denn so wenig wie ich meine eigene Sprache in ihrer Theorie verstehe, so fremd ist meinen kolumbianischen Schülern ihre eigene ''idioma''.
Alejandro hat außerdem ein Hang zum Italienischen – so ist das Sprachchaos perfekt!
Noch schwieriger als die Grammatik - mit der sie sich ja eigentlich noch gar nicht beschäftigen sollen - ist die Aussprache, die kann man nämlich nicht umgehen. Das anfängliche ''Eins-Zwei-Drei-Bier-...'' ist mittlerweile sogar schon fast verschwunden (Erklärung: 'b' und 'v' werden im Spanischen meist gleich ausgesprochen, oft mit Hang zum 'b'), Wörter mit 'ü' und 'ß' sorgen immer noch für Verwirrung.
Und doch - wenn einer meiner Schüler sagt: ''Mir gefällt es Klavier zu essen'' und alle anderen sich 10 Minuten vor lachen nicht mehr einkriegen, dann weiß ich – sie haben begonnen, die Sprache zu verstehen. Genauso schön ist es auf der Treppe von einem meiner Schüler mit ''Guten Tag, Wanda'' begrüßt und ''Auf Wiedersehen'' verabschiedet zu werden. In den paar Monaten, die mir noch bleiben, werden sie vielleicht nicht lernen Deutsch zu ''reden'', aber sie werden am Ende gelernt haben, dass es in Deutschland weder Arepas noch Empanadas gibt, dafür aber die leckerste Schokolade der Welt! Sie werden wissen, dass es ein Unterschied zwischen Bier und der Zahl 4 gibt und Dinge, die sich ''Fälle'' nennen, die aber nicht mal die Deutschen selbst verstehen und richtig anwenden.
Und sie werden ein paar Sätze sagen können, manche einfacher, manche sogar schon komplexer, und damit vielleicht eines Tages einen Deutschen überraschen, der ihnen über den Weg läuft!

ENDE TEIL 1

Samstag, 9. März 2013

''Zwei deutsche Geiseln wieder frei''

... ich bin sicher, dass die Entführung der 2 deutschen Rentner durch die ELN hier in Kolumbien bei euch in Deutschland genau so ein großes Thema war wie hier. Seit dem Anfang Februar die Entführung und einige Informationen zu den Entführten bekannt geworden sind und das Thema mehrere Tage die Nachrichten hier mitbestimmte, hab ich nichts weiter mehr finden können zum Verlauf der Verhandlungen über ihre Freilassung außer der Weigerung der ELN die beiden Deutschen freizulassen aufgrund der Verdächtigung als ''Spione'' des deutschen Staates.
Gestern fand nun wohl die Übergabe der Beiden an das Rote Kreuz statt. Ich wurde durch einen anderen Freiwilligen auf einen Artikel über die Befreiung aufmerksam gemacht und wollte ihn euch hier zeigen - für diejenigen die es genau so interessiert und es bis jetzt nicht mitbekommen haben. Ich konnte im Netz so gut wie keine weitere Berichterstattung finden, also denke ich, dass auch bei euch noch nicht mehr bekannt geworden ist.

Hier der Link zum deutschen Artikel:
http://www.faz.net/aktuell/kolumbien-zwei-deutsche-geiseln-wieder-frei-12108114.html 

Ich hoffe euch geht es allen gut,
Wanda

Donnerstag, 7. März 2013

Zwischen Reisen und Bleiben, zwischen Bald und Jetzt - Lebenszeit

Manchmal rennt die Zeit vorbei, manchmal fliegt sie über mich hinweg, in wenigen Momenten läuft sie neben mir her und manchmal schleicht sie sogar hinterher- ganz manchmal...
In den letzten 2 Monaten, in denen diese Seite zum Bedauern vieler – auch meinem – immer gleich aussah, ist die Zeit so gedüst, dass ich gar nicht weiß wo sie geblieben ist - und jetzt sitze ich hier und google ''die Zeit rennt vorbei'' weil ich mir nicht mehr sicher bin, ob es diesen Ausdruck auf deutsch überhaupt gibt oder ob er nur ein kreatives Produkt meines Kopfes ist, der mittlerweile keine einzige Sprache mehr richtig beherrscht.
Deutsch war einmal - das bekomme ich nun öfter zu spüren, wenn ich meinen eifrigen 7 Schülern meines neuen Deutschkurses in der Musikschule zum Beispiel die simpelsten Sätze beibringen will und bei der Altersangabe stutze, weil ich 2 Minuten darüber nachdenken muss, ob Deutsch diese Ausnahmesprache war, in der man das Alter nicht ''hat'' sondern ''ist''. Jaja Wanda – deutsche Sprache, schwere Sprache. Ich bete inständig, dass wir es nie bis zur grammatischen Struktur dieser Sprache schaffen!!!
Dann war da Französisch – ich hoffe es erinnert sich keiner mehr, dass ich das damals... lange her... in alten Zeiten... alsLeistungskursinderSchulehatte. Schon Geschichte, ich halte mich an das, was ich damals meiner Mutter nach einem Jahr Unterricht in unserem ersten Frankreich-Urlaub eingebläut habe: ''Je ne parle pas francais!'' … Und dann Englisch - die all you can speak Sprache für jedermann. Zwischen Freiwilligen verschiedener Herkunft nur als nicht besonders schön klingende Mischung mit Elementen der spanischen, eigenen und natürlich englischen Sprache zu hören. Übt den Kopf - aber macht ihn auf längere Sicht doch mürbe.
Vergessen wir zuletzt nicht Spanisch - mein Leben, meine Liebe... :) Während mein Deutsch abwärts geht (wenn's keiner hier bemerkt – um so besser; jeder 3. Satz bedarf einer Google-Suche), erweitert sich mein Spanischwissen von Tag zu Tag. Das eine sinkt, das andere steigt - ich hänge irgendwo in der Mitte. Aber ich muss sagen, da geht es mir nicht mal schlecht. Manchmal kommt man irgendwann und irgendwo an diesen Punkt, wo es einem da besonders gut geht, wo es nicht perfekt ist. Oder jedenfalls nicht perfekt nach dem, was man erwartet hat. Und dann packt man seine Erwartungen weg (natürlich nur bis zum nächsten Mal) und gibt zu, dass es einem einfach gerade gut geht.

¿Qué pasó? Jaaa, was ist passiert? Viel.
Ich fange an... mit dem Schnipsel eines Blogeintrags vom 24. Dezember 2012. Stellt euch vor, am 24. Dezember wollte ich euch einen Eintrag schreiben. Naja, ich bin leider nicht über den Anfang hinausgekommen. Aber er soll reichen für den Zwischenreport:

''Ich packe meinen Koffer und nehme mit...

In meine Fall hieß das leider ''alles''. Nein, als ich am letzte Donnerstag (20.12.) nur jede erdenkliche Art von Stauraum-beinhaltenden ''Gefäßen'' (sprich; Koffer, Backpack-Rucksack, Tüten, Taschen und ähnliches) in meinem Zimmer zusammensuchte, wollte ich nicht für eine Reise packen. Ich war quasi die letzte in der Runde bei dem Spiel ''Ich packe meinen Koffer und nehme mit'' und musste mich an alles erinnern was je im Koffer nach Kolumbien gekommen war bzw. mit der Zeit so auf die ein oder andere Weise seinen Weg in mein Zimmer gefunden hat...
Manche haben es vielleicht schon direkt von mir erfahren, andere von wieder anderen - deshalb möchte ich es hier nur kurz ansprechen: Ich bin also letzten Donnerstag mit Sack und Pack bei meiner Gastfamilie ausgezogen und wohne nun bei einer Freundin bis Januar. Dann werde ich in meine neue Gastfamilie wechseln, in der ich dann auch bis August 2012 bleibe.

An dieser Stelle: Muchisimas gracias a Jorge y Johanna que me recibieron en su casa, que yo tenía la posibilidad de ser un parte de la familia para estos 4 meses. Que me abrieron su puerta para conocer la vida familiar en Colombia y para conocer a mucha, muy buena gente como todas mis tías / mis tíos, mis hermosos primos y mi Mama Concha. ¡Gracias a todos!

So sind die letzten Vorweihnachts-Tage verstrichen; zwischen Koffer packen, Novenas feiern, Geschenke verteilen und den Weltuntergang im Jacuzzi erwarten ist die Zeit so schnell vergangen, dass ich innerlich noch gar nicht am 24. Dezember angekommen bin. Und ich weiß nicht mal, wo ich anfangen soll, euch über mein Leben hier im weihnachtlich-kitschig-beleuchteten Bogotá zu berichten. Und wahrscheinlich warten auch viele noch auf einen ausführlichen Abenteuerbericht über den Amazonas - da muss ich euch enttäuschen, der muss noch warten.''

Im Schnelldurchlauf sah meine Zeit danach so aus (ausführliche Berichte folgen): 10 Tage Luxusurlaub in Cartagena und auf Barú im Hotel und am Pool mit meiner Freundin und ihrer Familie, 12 Tage Backpacker-Reise mit 5 anderen Freiwilligen entlang der Karibikküste, Umzug in meine neue Gastfamilie, Arbeiten (doch mal wieder...), eine Woche Midstay-Camp auf einer Finca in Fusagasugá mit 30 meiner Mitfreiwilligen, 19. Geburtstag...

An dieser Stelle ein ganz liebes Dankeschön an alle, die an diesem Tag / zu diesem Anlass an mich gedacht, geschrieben, mir gratuliert und Grüße geschickt haben in allen Formen!!! Mir bedeutet es viel, zu wissen, wer in der weiten Ferne an mich denkt. Mil gracias <3

Jetzt bin ich also 19... manche sagen: im 20. Lebensjahr. Uhh, da kribbelts – ohne jemandem nahe treten zu wollen, für mich klingt das dann doch schon ein bisschen zu alt. Ich bin mit der Zahl 19 ganz zufrieden - wieder so ein Ding in der Mitte: mit 18 hat man es grad so in die Volljährigkeit geschafft, mit 20 tritt man schon wieder in eine andere Dekade und einen anderen Lebensabschnitt ein.
Passend zum jung und alt habe ich an meinem Geburtstag die neuen AFS-Freiwilligen begrüßt - und mich daran erinnert, wie auch wir ''damals'' vor einem halben Jahr schüchtern und staunend in diesem Land angekommen sind, alle noch ein bisschen jünger, alle noch ein bisschen unwissender. Nicht lang her scheint dieser Moment zu sein; ich erinnere mich noch ziemlich genau an das erste Bild als wir aus dem bogotaner Flughafen traten: chaotischer Verkehr, viele Taxis. Und doch, wie viel habe ich erlebt seit diesem Moment – ich war am südlichsten und am nördlichsten Punkt Kolumbiens. Und nun gehöre ich schon zu den ''alten'' Afs-lern und muss mit einem Staunen auf den Lippen und Tränen in den Augen zugeben: Halbzeit.

Seit dem mein Abflugdatum feststeht (20. August 2013), ist zu diesem momentanen ''Mir-gehts-gut'' noch ein kribbeliges ''Aber-ich-will-doch-noch-so-viel-machen'' hinzugekommen. Und das treibt mich voran...


Ich habe eine neue Familie - eine wunderbare, liebe, großzügige und herzliche kolumbianische Familie und einen tollen Golden Retriever!










<-- Ich, meine Gastmutter Susana, mein Gastvater Ricardo & mein Gastbruder José Daniel (meine Gastschwester Natalia studiert in Italien)

Ich hab neben meinem offiziellen AFS-Projekt ein anderes, wirklich ''soziales'' Projekt, dass ich mir zusammen mit einer anderen Freiwilligen ''gesucht'' habe und was mir so viel gibt, wie ich nie erwartet hätte.

Ich habe – jetzt kommt's – mich im Fitnessstudio angemeldet. Wanda goes McFit - nein Spaß, vor allem kann ich nicht nach Deutschland zurück kommen ohne all diese wunderbaren Rhythmen hier tanzen zu können - von Salsa über Merengue bis hin zu Vallenato und Bachata; jeden Montag werde ich mich jetzt als Europäerin in einem Saal voller Kolumbianerinnen bloßstellen, denen das tanzen beigebracht wurde, bevor sie laufen konnten. Und das sagt man nicht nur so...
Von zwei Dingen kann ich behaupten, dass sie jedem Kind hier beigebracht werden: Tanzen und Feiern!

Damit schließe ich für heute mit meinem Bericht von Altem und Neuem aus meinem Leben in diesem wunderbaren Land (das leider nichtsdestotrotz viele Probleme hat) und verspreche euch folgende Berichte zu vergangenen Reisen und aktuellen Momenten.

Besitos y abrazos para todos,
eure Wanda

Dienstag, 25. Dezember 2012

¡Feliz Navidad!

... oder ''Frohe Weihnachten'' wünsch euch allen noch. Ich hoffe ihr hatten einen schönen Heiligabend in Mitten eurer Liebsten und genießt die letzten Weihnachtstage!

Mein 24. Dezember hätte auf der einen Seite nicht unterschiedlicher, chaotischer, ungeplanter und irgendwie auch unweihnachtlicher als das gewohnte ''deutsche Weihnachten'' sein können, auf der anderen Seite hätte ich nicht deutlicher erfahren können, wie groß an Weihnachten ganz kleine Freuden sein können und was es an einem solchen Tag bedeutet, Familie zu haben... oder eben nicht.
Und man beginnt, darüber nachzudenken, für wie viele Leute auf dieser Welt der 24. Dezember ein Tag wieder jeder andere ist, weil sie kein gemütliches Heim und keinen Weihnachtsbaum - egal ob aus Plastik oder echt - haben. Oder für wie viele Menschen dieser Tag noch trauriger ist als alle anderen, weil sie ein Heim und vielleicht auch einen Baum, aber keine Familie um sich haben.


Genau das habe ich gestern in den Gesichtern vieler Frauen gesehen und in den Tränen ihrer Kinder, die manchmal nicht wussten, ob sie lachen sollten, über die Geschenke, die wir ihnen in die Hände drückten, oder weinen darüber, dass sie Weihnachten diesmal ohne ihren Vater feiern würden. Denn all diese Mütter mit ihren Babys auf dem Arm, den Kleinkindern an der Hand oder schon fast erwachsenen Jugendlichen kamen gerade aus dem Establecimiento Carcela ''La Modelo'', einem reinen Männergefängnis in Bogotá, in dem die Insassen darauf warten, ein Gerichtsurteil zu bekommen.
Diese traurigen Gesichter haben auch mich teilweise traurig gemacht, aber gleichzeitig war es die reinste Freude dem Lachen der Kinder zu lauschen, die ihren Augen kaum trauen konnten als sie in ihre vollgepackten Geschenktüten schauten. Ich kann mir nicht mal ansatzweise vorstellen, wie ihr Leben zur Zeit aussieht, wie sie ohne einen arbeitenden Vater über die Runden kommen und wie schwer es sein muss, ihn nur für ein paar Stunden in diesem grauen Gebäude besuchen zu können. Aber ich habe ihre Freude und Überraschung gesehen, als sie am Ausgang plötzlich einer großen Menge lachender Menschen und einem bunten Haufen Geschenke gegenüber standen. Und diese kleinen Freuden mögen ausgereicht haben, um auch für diese ''halben'' Familien den gestrigen Tag zu einem besonderen Tag zu machen... und genau das hat den Tag auch für mich besonders gemacht und mich um so mehr gelehrt, am späteren Abend die riesige Familie von fast 40 Leuten um mich herum sehr zu schätzen und zu genießen!

In Gedanken bin ich auch bei euch, meiner Familie in Deutschland & meinen Freunden zu Hause, und bei denen, die wie ich die weite Welt gesucht haben und ihren Tag gestern eben so anders und neuartig erlebt haben.
Euch allen: Wunderschöne Weihnachten!

Es grüßt euch übers Meer
eure Wanda  

Montag, 17. Dezember 2012

Eine mitternächtliche Dankesmeldung

...widme ich meiner genialen Familie in Deutschland- DANKE, für euer Päckchen. Ich hab es vor ein paar Stunden von Janai erhalten und mich sehr über alle kleinen und vor allem sehr großen Geschenke gefreut :D.

Danke, liebe Inge & lieber Uwe, für eure lieben Briefe!

Danke, meine liebes Schwesterlein, für das süße Täschchen und das schöne Buch!

Danke, Mama und Jens, für diese großartige Erfüllung eines fast nie ausgesprochenen Wunsches! Ich würdige sie mit einem Foto von meiner kleinen Hermanita Sara:


Und mein letzter Dank geht an Janai, die mir all diese Wunderdinge nach Kolumbien gebracht hat!

Ich wünsch euch allen eine wunderschöne Nacht,
eure Wanda

Samstag, 1. Dezember 2012

In luftigen Höhen und schlammigen Tiefen

Meine Uhr zeigt 10:39, darunter steht neben Berlin 16:39, in Athen ist es mit 17:39 noch eine Stunde später, in Canberra hat der neue Tag sogar schon angefangen - in Vancouver dagegen schlafen manche Leute um 7:39 noch.
Aber egal wie spät es grad überall auf der Welt sein mag - die Weihnachtszeit beginnt! Mama, Jens und Mathilda machen sich grad auf den Weg zum Adventskranzbinden und erzählen vom Weihnachtsmarkt. Und ich bekomme schreckliches Vorweihnachts-Heimweh... Hier wird schon seit ein paar Wochen Weihnachtsschmuck aller Art im Großeinkauf geshoppt und vorgestern hat auch meine Familie den Weihnachtsbaum aufgestellt. Vor lila-glitzernden Schleifen, Blumen und Schmetterlingen sieht man allerdings kaum noch was von dem authentischen Plastikbaum, der aus ansteckbaren Zweigen besteht. Im Vergleich zu dem was andere Bogotanos an blinkendem Lichterschmuck an den Fassaden ihrer Häuser auffahren ist das aber garnichts.
Selbst im heißen Girardot stehen neben dem Pool zwei hell leuchtende Rentiere die in einem Anflug von Monotonie den Kopf auf und ab, oder nach rechts und links bewegen. Und auch wenn es hier keinen Schnee gibt - schnief, Weihnachten ohne Schnee :( - sieht man aller Orts große, beleuchtete Schnekristalle; was man nicht hat, macht man sich einfach selber!

Und trotz diesem beginnenden Vorweihnachtsspektakel - es hat noch längst nicht seinen Höhepunkt erreicht denk ich – freu ich mich unglaublich auf meine nächste Woche außerhalb von Bogotá... am Montag fliegt mein Flugzeug Richtung Süden nach Leticia und noch am selben Tag heißt es: ab geht’s in den AMAZONAS!!!
Und ich dachte, ich kann euch nicht so ungewiss zurücklassen und sollte nochmal kurz ein bisschen was von meinen letzten Reisen erzählen, im Moment ist Bogotá nämlich eher so mein Zwischenstop. Denn die Zeit rennt, jetzt bin ich schon 3 Monate hier und will noch so viele schöne Ecken Kolumbiens entdecken.

Vor 3 Wochen bin ich mal eben übers lange Wochenende weggefahren- dazu muss ich sagen, übers Wochenende wegfahren heißt hier auch 8h mit dem Bus hin und zurück. Das hat zwei Gründe: zum einen kostet hier so eine Reise nicht die halbe Monatsmiete wie mit der DeutschenBahn in Deutschland sondern zum Beispiel nach San Gil gerade mal 70.000$ hin und zurück (30€) und zum anderen ist Kolumbien mit ungefähr 1.138.748 km² dreimal so groß wie Deutschland, hat aber nur die Hälfte an Einwohnern, was bedeutet, dass Entfernungen hier eine ganz andere Dimension haben. 

die Dächer von San Gil
Also haben wir 6 Mädels aus Bogotá und Umgebung uns am Freitag, den 9.11., morgens halb 4 in ein Taxi gesetzt um halb 5 in einen kleinen Bus nach San Gil zu steigen. Dabei hab ich den sehr dummen Fehler begangen die letzte Reihe wegen viel Platz zu wählen - tja, schlafen konnte ich bei dem Gehopse vergessen, außerdem habe ich das Augenschließen nach mehreren sehr schmerzhaften Begegnungen meiner Nase mit dem Gardinenhaken neben mir an der Wand aufgegeben. Aber nach einer erstaunlich kurzen Fahrt von knapp 7h kamen wir Mittags in San Gil, einer kleinen Stadt 400km nordöstlich von Bogotá an - naja, klein im Gegensatz zu dieser gigantischen Hauptstadt. San Gil zeichnet sich einerseits durch eine sehr angenehme warme Temperatur aus (Hauptkriterium bei all meinen Reisen!!! irgendwie muss ich ja diese graue Regenzeit überstehen), andererseits durch die vielen Extremsportarten die man in der Umgebung machen kann, auch Hauptgrund unserer Reise. Zur Beruhigung meiner Großeltern gleich vorne weg: Bungee Jumping kam für mich nicht in Frage und Fallschirmspringen hatten sie leider nicht :).


Erlebt haben wir trotzdem genug. Den Freitagnachmittag verbrachten wir nur mit einer gemütlichen Tour durch die Stadt und einem Festmahl der ''Delikatesse'' Santanders (das Departamento in dem San Gil liegt): Hormigas, zu deutsch ''Ameisen''! Es gibt sie dort als Ohrringe, Ketten, Schlüsselanhänger, auf T-hirts und Taschen... und in Tüten zum essen. Sie sind leider auch nicht so klein wie in Deutschland sondern ordentliche Brummer, aber hart und knusprig wie Erdnüsse und mit Salz bestreut. Und ja, ich weiß das weil ich auch eine gegessen hab :), erst habe ich mich standhaft geweigert - um mir dann doch unter Gänsehaut eine in den Mund zu stecken. Ihr werdet euch hier bald an einem schönes Video von mir bei diesem zweifelhaften Vergnügen erfreuen können.
Der Samstag begann dann aber mit einer ganz anderen Art der Herausforderung - erste unserer drei Abenteuer-Etappen: die Tour durch die Cueva de la Vaca (die ''Kuh-Höhle'') in Curiti, die ihren Namen auf Grund dem bedauernswerten Schicksal der Kühe hat, die in den Eingang dieser Höhle auf ihrer Weide gestürzt sind. Heute gibt es davor ein Tor.
Ausgerüstet mit kurzen Klamotten, einem Helm mit Stirnlampe und sehr stylischen Wasserschuhen (á la ''das Sams'') ging es unter die Erde, in schlammiges Wasser und beeindruckende Höhlen. Die Tour an sich lässt sich kaum beschreiben - man muss sie einfach erleben. Allerdings sollte man sich vorher genauestens überlegen, ob man sich wirklich da rein wagt. Für Leute mit Platzangst absolut nicht zu empfehlen, und für Leute die ihren Kopf nicht gern unter Wasser haben (so wie ich) eigentlich auch nicht... die erste und größte Herausforderung wartete nämlich schon in der dritten Höhle auf uns - und ich war dummerweise die Erste -, tief einatmen, unter Wasser tauchen und ungefähr 5 Sekunden unter der Felswand hindurch auf die andere Seite tauchen. Nichts leichter als das - leider und wunderlicherweise wollte sich keiner freiwillig melden und so trat ich als erste die Unterwasserreise an. Außer einem blauen Fleck auf dem Nasenrücken habe ich sie hin und auch zurück gut überstanden :).
Nach einer Dusche aus dem Schlauch um auch die letzten Schlammflecken hinterm Ohr weg zu bekommen ging es schon weiter: Paragliding! 
Das bin ich bei der Schraube :)
Dazu kann man eigentlich nicht viel sagen - besonders viel Überwindung braucht es gar nicht finde ich, denn sobald man in die Seile geschnallt und auf den Sitzsack gesetzt wird, kann man sowieso nichts mehr machen. Und ehe man es sich versieht ist man in der Luft und hält beim Anblick der Weite unter sich den Atem an. Sehr beeindruckend!!! Und wer sich traut, bekommt am Ende noch eine schwindelerregende Schraube - dabei hat es mir dann 
 doch buchstäblich den Magen umgedreht.
Zurück in San Gil blieb uns noch Zeit für einen Besuch im Parque Natural ''El Gallineral'', einem Park voller unterschiedlicher Pflanzen und Bäume. Bekannt ist er aber vor allem für die riesigen Bäume von deren Äste seltsame graue Flechten hängen und sie wie Urgroßväter aussehen lässt.
Sonntagmorgen dann unser letztes Vorhaben in Richtung Extremsport: Torentismo. Ich weiß dafür leider kein deutsches Wort, man kann es wohl ''Abseilen an Wasserfällen'' nennen.
Mit dem Bus sind wir nach Charala zur Cascade de Juan Curi. Nach einem 30minütigen Aufstieg durch einen umwerfenden Dschungel von exotischen Pflanzen, riesigen Bäumen und Flechten, standen wir plötzlich auf einem weitläufiges Plateau auf der Hälfte des Wasserfalls vor einem Naturschauspiel, das im Katalog nicht halb so beeindruckend aussieht... eine Kaskade aus herabstürzendem Wasser. 
Und nach einer sehr kurzen Einführung bekamen wir mal wieder Helme aufgesetzt, einen Gurt um die Beine und die Hüfte und einen Handschuh an die linke Hand. Und dann stand ich schon an der Kante, kletterte über die Seilsicherung und hing plötzlich an einer fast senkrechten Felswand inmitten spritzendem Wasser. Der Abstieg dauert, je nach Schnelligkeit des Kletterers, leider nur 5-10min. Dafür erwarten einen unten traumhafte kleine Wasserbecken mit Sprudeln und einer Natur wie aus dem Dschungelbuch.
Noch ziemlich durchnässt stiegen wir am frühen Nachmittag wieder in den Bus zurück nach San Gil. Nach einer kleinen Verschnaufpause in unserem wunderschönen kleinen Hostel mit Dusche unter freiem Himmel noch eine letzte Tour nach Barichara, einem Dorf, das für seine romantische Schönheit bekannt ist. Viele kleine weiße Häuser, Blumenranken in kräftigem lila und kleine Läden voller Artesanías... Und wie klein die Welt doch ist, dachten wir mal wieder als wir beim Kaufen der Bustickets zurück auf eine andere Gruppe deutscher Jugendliche stießen, die ebenfalls als Freiwillige in Kolumbien waren – aber es waren nicht nur ''irgendwelche Deutschen'': das eine Mädchen kam auf uns zu und meinte mit großen Augen ''Sophie???''. Die beiden hatten sich bei einem Auswahlwochenende von AFS vor gut einem Jahr in Deutschland getroffen :).

Damit ging unsere Reise leider auch schon wieder ihrem Ende zu, Montagmorgen stiegen wir wieder in den Bus und waren am frühen Nachmittag im grauen, nassen Bogotá...
Dabei fällt mir auf, dass ich euch eigentlich mal einen Alltags-Post schulde – schließlich spielt sich meine Leben zwischen den Reisen doch auch in dieser Großstadt hier ab. Dazu mehr wenn ich nächste Woche wiederkomme - aber erst mal heißt es 5 Tage Amazonas: Dschungel, Schlamm, Mosquitos, Piranhas- ICH KOMME!!!

Abrazos y Besitos para todos,
que estén bien- Wanda

Sonntag, 18. November 2012

Und wieder ein Quäntchen Sonne...

Meine lieben Damen und Herren,
bevor mal wieder ein ausführlich Bericht folgt könnt hier schon mal ein paar Fotos von meinem wunderbaren Ausflug nach San Gil sehen...
Neben einer Höhlentour, Paragliding und Abseilen an Wasserfällen haben wir auch ein ruhige Runde durch den Naturpark Gallineral und das bezaubernde Dörfchen Barrichara gemacht... viel Spaß beim schauen. :)
Mehr Details und action-reiche Bilder folgen bald...

https://www.dropbox.com/sh/1i996u2ts4bqzyg/BJzAAIXprO

Mit allerliebsten Grüßen,
Wanda