Manchmal rennt
die Zeit vorbei, manchmal fliegt sie über mich hinweg, in wenigen
Momenten läuft sie neben mir her und manchmal schleicht sie sogar
hinterher- ganz manchmal...
In den letzten 2
Monaten, in denen diese Seite zum Bedauern vieler – auch meinem –
immer gleich aussah, ist die Zeit so gedüst, dass ich gar nicht weiß
wo sie geblieben ist - und jetzt sitze ich hier und google ''die Zeit
rennt vorbei'' weil ich mir nicht mehr sicher bin, ob es diesen
Ausdruck auf deutsch überhaupt gibt oder ob er nur ein kreatives
Produkt meines Kopfes ist, der mittlerweile keine einzige Sprache
mehr richtig beherrscht.
Deutsch
war einmal - das bekomme ich nun öfter zu spüren, wenn ich meinen
eifrigen 7 Schülern meines neuen Deutschkurses in der Musikschule
zum Beispiel die simpelsten Sätze beibringen will und bei der
Altersangabe stutze, weil ich 2 Minuten darüber nachdenken muss, ob
Deutsch diese Ausnahmesprache war, in der man das Alter nicht ''hat''
sondern ''ist''. Jaja Wanda – deutsche Sprache, schwere Sprache.
Ich bete inständig, dass wir es nie bis zur grammatischen Struktur
dieser Sprache schaffen!!!
Dann
war da Französisch – ich hoffe es erinnert sich keiner mehr, dass
ich das damals... lange her... in alten Zeiten...
alsLeistungskursinderSchulehatte. Schon Geschichte, ich halte mich an
das, was ich damals meiner Mutter nach einem Jahr Unterricht in
unserem ersten Frankreich-Urlaub eingebläut habe: ''Je ne parle pas
francais!'' … Und dann Englisch - die all you can speak
Sprache für jedermann. Zwischen Freiwilligen verschiedener Herkunft
nur als nicht besonders schön klingende Mischung mit Elementen der
spanischen, eigenen und natürlich englischen Sprache zu hören. Übt
den Kopf - aber macht ihn auf längere Sicht doch mürbe.
Vergessen wir zuletzt nicht Spanisch -
mein Leben, meine Liebe... :) Während mein Deutsch abwärts geht
(wenn's keiner hier bemerkt – um so besser; jeder 3. Satz bedarf
einer Google-Suche), erweitert sich mein Spanischwissen von Tag zu
Tag. Das eine sinkt, das andere steigt - ich hänge irgendwo in der
Mitte. Aber ich muss sagen, da geht es mir nicht mal schlecht.
Manchmal kommt man irgendwann und irgendwo an diesen Punkt, wo es
einem da besonders gut geht, wo es nicht perfekt ist. Oder jedenfalls
nicht perfekt nach dem, was man erwartet hat. Und dann packt man
seine Erwartungen weg (natürlich nur bis zum nächsten Mal) und gibt
zu, dass es einem einfach gerade gut geht.
¿Qué
pasó? Jaaa, was ist passiert? Viel.
Ich
fange an... mit dem Schnipsel eines Blogeintrags vom 24. Dezember
2012. Stellt euch vor, am 24. Dezember wollte ich euch einen Eintrag
schreiben. Naja, ich bin leider nicht über den Anfang
hinausgekommen. Aber er soll reichen für den Zwischenreport:
''Ich packe
meinen Koffer und nehme mit...
In meine Fall
hieß das leider ''alles''. Nein, als ich am letzte Donnerstag
(20.12.) nur jede erdenkliche Art von Stauraum-beinhaltenden
''Gefäßen'' (sprich; Koffer, Backpack-Rucksack, Tüten, Taschen und
ähnliches) in meinem Zimmer zusammensuchte, wollte ich nicht für
eine Reise packen. Ich war quasi die letzte in der Runde bei dem
Spiel ''Ich packe meinen Koffer und nehme mit'' und musste mich an
alles erinnern was je im Koffer nach Kolumbien gekommen war bzw. mit
der Zeit so auf die ein oder andere Weise seinen Weg in mein Zimmer
gefunden hat...
Manche haben
es vielleicht schon direkt von mir erfahren, andere von wieder
anderen - deshalb möchte ich es hier nur kurz ansprechen: Ich bin
also letzten Donnerstag mit Sack und Pack bei meiner Gastfamilie
ausgezogen und wohne nun bei einer Freundin bis Januar. Dann werde
ich in meine neue Gastfamilie wechseln, in der ich dann auch bis
August 2012 bleibe.
An
dieser Stelle: Muchisimas gracias a Jorge y Johanna que me recibieron
en su casa, que yo tenía la posibilidad de ser un parte de la
familia para estos 4 meses. Que me abrieron su puerta para conocer la
vida familiar en Colombia y para conocer a mucha, muy buena gente
como todas mis tías / mis tíos, mis hermosos primos y mi Mama
Concha. ¡Gracias a todos!
So sind die letzten
Vorweihnachts-Tage verstrichen; zwischen Koffer packen, Novenas
feiern, Geschenke verteilen und den Weltuntergang im Jacuzzi erwarten
ist die Zeit so schnell vergangen, dass ich innerlich noch gar nicht
am 24. Dezember angekommen bin. Und ich weiß nicht mal, wo ich
anfangen soll, euch über mein Leben hier im
weihnachtlich-kitschig-beleuchteten Bogotá zu berichten. Und
wahrscheinlich warten auch viele noch auf einen ausführlichen
Abenteuerbericht über den Amazonas - da muss ich euch enttäuschen,
der muss noch warten.''
Im Schnelldurchlauf
sah meine Zeit danach so aus (ausführliche Berichte folgen): 10 Tage
Luxusurlaub in Cartagena und auf Barú im Hotel und am Pool mit
meiner Freundin und ihrer Familie, 12 Tage Backpacker-Reise mit 5
anderen Freiwilligen entlang der Karibikküste, Umzug in meine neue
Gastfamilie, Arbeiten (doch mal wieder...), eine Woche Midstay-Camp
auf einer Finca in Fusagasugá mit 30 meiner Mitfreiwilligen, 19.
Geburtstag...
An
dieser Stelle ein ganz liebes Dankeschön an alle, die an diesem Tag
/ zu diesem Anlass an mich gedacht, geschrieben, mir gratuliert und
Grüße geschickt haben in allen Formen!!! Mir bedeutet es
viel, zu wissen, wer in der weiten Ferne an mich denkt. Mil gracias
<3
Jetzt bin ich also 19... manche sagen:
im 20. Lebensjahr. Uhh, da kribbelts – ohne jemandem nahe treten zu
wollen, für mich klingt das dann doch schon ein bisschen zu alt. Ich
bin mit der Zahl 19 ganz zufrieden - wieder so ein Ding in der
Mitte: mit 18 hat man es grad so in die Volljährigkeit geschafft,
mit 20 tritt man schon wieder in eine andere Dekade und einen anderen
Lebensabschnitt ein.
Passend zum jung und alt habe ich an
meinem Geburtstag die neuen AFS-Freiwilligen begrüßt - und mich
daran erinnert, wie auch wir ''damals'' vor einem halben Jahr
schüchtern und staunend in diesem Land angekommen sind, alle noch
ein bisschen jünger, alle noch ein bisschen unwissender. Nicht lang
her scheint dieser Moment zu sein; ich erinnere mich noch ziemlich
genau an das erste Bild als wir aus dem bogotaner Flughafen traten:
chaotischer Verkehr, viele Taxis. Und doch, wie viel habe ich erlebt
seit diesem Moment – ich war am südlichsten und am nördlichsten
Punkt Kolumbiens. Und nun gehöre ich schon zu den ''alten'' Afs-lern
und muss mit einem Staunen auf den Lippen und Tränen in den Augen
zugeben: Halbzeit.
Seit dem mein Abflugdatum feststeht
(20. August 2013), ist zu diesem momentanen ''Mir-gehts-gut'' noch
ein kribbeliges ''Aber-ich-will-doch-noch-so-viel-machen''
hinzugekommen. Und das treibt mich voran...
Ich habe eine neue Familie - eine
wunderbare, liebe, großzügige und herzliche kolumbianische Familie
und einen tollen Golden Retriever!
<-- Ich, meine Gastmutter Susana, mein Gastvater Ricardo & mein Gastbruder José Daniel (meine Gastschwester Natalia studiert in Italien)
Ich hab neben meinem offiziellen
AFS-Projekt ein anderes, wirklich ''soziales'' Projekt, dass ich mir
zusammen mit einer anderen Freiwilligen ''gesucht'' habe und was mir
so viel gibt, wie ich nie erwartet hätte.
Ich habe – jetzt kommt's – mich im
Fitnessstudio angemeldet. Wanda goes McFit - nein Spaß, vor allem
kann ich nicht nach Deutschland zurück kommen ohne all diese
wunderbaren Rhythmen hier tanzen zu können - von Salsa über
Merengue bis hin zu Vallenato und Bachata; jeden Montag werde ich
mich jetzt als Europäerin in einem Saal voller Kolumbianerinnen
bloßstellen, denen das tanzen beigebracht wurde, bevor sie laufen
konnten. Und das sagt man nicht nur so...
Von zwei Dingen kann ich behaupten,
dass sie jedem Kind hier beigebracht werden: Tanzen und Feiern!
Damit schließe ich für heute mit
meinem Bericht von Altem und Neuem aus meinem Leben in diesem
wunderbaren Land (das leider nichtsdestotrotz viele Probleme hat) und
verspreche euch folgende Berichte zu vergangenen Reisen und aktuellen
Momenten.
Besitos y abrazos para todos,
eure Wanda