Aber
egal wie spät es grad überall auf der Welt sein mag - die
Weihnachtszeit beginnt! Mama, Jens und Mathilda machen sich
grad auf den Weg zum Adventskranzbinden und erzählen vom
Weihnachtsmarkt. Und ich bekomme schreckliches
Vorweihnachts-Heimweh... Hier wird schon seit ein paar Wochen
Weihnachtsschmuck aller Art im Großeinkauf geshoppt und vorgestern
hat auch meine Familie den Weihnachtsbaum aufgestellt. Vor
lila-glitzernden Schleifen, Blumen und Schmetterlingen sieht man
allerdings kaum noch was von dem authentischen Plastikbaum, der aus
ansteckbaren Zweigen besteht. Im Vergleich zu dem was andere
Bogotanos an blinkendem Lichterschmuck an den Fassaden ihrer Häuser
auffahren ist das aber garnichts.
Selbst im heißen Girardot stehen neben
dem Pool zwei hell leuchtende Rentiere die in einem Anflug von
Monotonie den Kopf auf und ab, oder nach rechts und links bewegen.
Und auch wenn es hier keinen Schnee gibt - schnief, Weihnachten ohne
Schnee :( - sieht man aller Orts große, beleuchtete Schnekristalle;
was man nicht hat, macht man sich einfach selber!
Und trotz diesem beginnenden
Vorweihnachtsspektakel - es hat noch längst nicht seinen Höhepunkt
erreicht denk ich – freu ich mich unglaublich auf meine nächste
Woche außerhalb von Bogotá... am Montag fliegt mein Flugzeug
Richtung Süden nach Leticia und noch am selben Tag heißt es: ab
geht’s in den AMAZONAS!!!
Und ich dachte, ich kann euch nicht so
ungewiss zurücklassen und sollte nochmal kurz ein bisschen was von
meinen letzten Reisen erzählen, im Moment ist Bogotá nämlich eher
so mein Zwischenstop. Denn die Zeit rennt, jetzt bin ich schon 3
Monate hier und will noch so viele schöne Ecken Kolumbiens
entdecken.
Vor 3 Wochen bin ich mal eben übers
lange Wochenende weggefahren- dazu muss ich sagen, übers Wochenende
wegfahren heißt hier auch 8h mit dem Bus hin und zurück. Das hat
zwei Gründe: zum einen kostet hier so eine Reise nicht die halbe
Monatsmiete wie mit der DeutschenBahn in Deutschland sondern zum
Beispiel nach San Gil gerade mal 70.000$ hin und zurück (30€) und
zum anderen ist Kolumbien mit ungefähr 1.138.748 km² dreimal so
groß wie Deutschland, hat aber nur die Hälfte an Einwohnern, was
bedeutet, dass Entfernungen hier eine ganz andere Dimension haben.
| die Dächer von San Gil |
Also haben wir 6 Mädels aus Bogotá
und Umgebung uns am Freitag, den 9.11., morgens halb 4 in ein Taxi
gesetzt um halb 5 in einen kleinen Bus nach San Gil zu steigen. Dabei
hab ich den sehr dummen Fehler begangen die letzte Reihe wegen viel
Platz zu wählen - tja, schlafen konnte ich bei dem Gehopse
vergessen, außerdem habe ich das Augenschließen nach mehreren sehr
schmerzhaften Begegnungen meiner Nase mit dem Gardinenhaken neben
mir an der Wand aufgegeben. Aber nach einer erstaunlich kurzen Fahrt
von knapp 7h kamen wir Mittags in San Gil, einer kleinen Stadt 400km
nordöstlich von Bogotá an - naja, klein im Gegensatz zu dieser
gigantischen Hauptstadt. San Gil zeichnet sich einerseits durch eine
sehr angenehme warme Temperatur aus (Hauptkriterium bei all meinen
Reisen!!! irgendwie muss ich ja diese graue Regenzeit überstehen),
andererseits durch die vielen Extremsportarten die man in der
Umgebung machen kann, auch Hauptgrund unserer Reise. Zur Beruhigung
meiner Großeltern gleich vorne weg: Bungee Jumping kam für mich
nicht in Frage und Fallschirmspringen hatten sie leider nicht :).
Erlebt haben wir trotzdem genug. Den
Freitagnachmittag verbrachten wir nur mit einer gemütlichen Tour
durch die Stadt und einem Festmahl der ''Delikatesse'' Santanders
(das Departamento in dem San Gil liegt): Hormigas, zu deutsch
''Ameisen''! Es gibt sie dort als Ohrringe, Ketten,
Schlüsselanhänger, auf T-hirts und Taschen... und in Tüten zum
essen. Sie sind leider auch nicht so klein wie in Deutschland sondern
ordentliche Brummer, aber hart und knusprig wie Erdnüsse und mit
Salz bestreut. Und ja, ich weiß das weil ich auch eine gegessen hab
:), erst habe ich mich standhaft geweigert - um mir dann doch unter
Gänsehaut eine in den Mund zu stecken. Ihr werdet euch hier bald an
einem schönes Video von mir bei diesem zweifelhaften Vergnügen
erfreuen können.
Der Samstag begann dann aber mit einer
ganz anderen Art der Herausforderung - erste unserer drei
Abenteuer-Etappen: die Tour durch die Cueva de la Vaca (die
''Kuh-Höhle'') in Curiti, die ihren Namen auf Grund dem
bedauernswerten Schicksal der Kühe hat, die in den Eingang dieser
Höhle auf ihrer Weide gestürzt sind. Heute gibt es davor ein Tor.
Ausgerüstet mit kurzen Klamotten,
einem Helm mit Stirnlampe und sehr stylischen Wasserschuhen (á la
''das Sams'') ging es unter die Erde, in schlammiges Wasser und
beeindruckende Höhlen. Die Tour an sich lässt sich kaum beschreiben
- man muss sie einfach erleben. Allerdings sollte man sich vorher
genauestens überlegen, ob man sich wirklich da rein wagt. Für Leute
mit Platzangst absolut nicht zu empfehlen, und für Leute die ihren
Kopf nicht gern unter Wasser haben (so wie ich) eigentlich auch
nicht... die erste und größte Herausforderung wartete nämlich
schon in der dritten Höhle auf uns - und ich war dummerweise die
Erste -, tief einatmen, unter Wasser tauchen und ungefähr 5 Sekunden
unter der Felswand hindurch auf die andere Seite tauchen. Nichts
leichter als das - leider und wunderlicherweise wollte sich keiner
freiwillig melden und so trat ich als erste die Unterwasserreise an.
Außer einem blauen Fleck auf dem Nasenrücken habe ich sie hin und
auch zurück gut überstanden :).
Nach einer Dusche aus dem Schlauch um
auch die letzten Schlammflecken hinterm Ohr weg zu bekommen ging es
schon weiter: Paragliding!
| Das bin ich bei der Schraube :) |
Dazu kann man eigentlich nicht viel sagen
- besonders viel Überwindung braucht es gar nicht finde ich, denn
sobald man in die Seile geschnallt und auf den Sitzsack gesetzt wird, kann
man sowieso nichts mehr machen. Und ehe man es sich versieht ist man
in der Luft und hält beim Anblick der Weite unter sich den Atem an.
Sehr beeindruckend!!! Und wer sich traut, bekommt am Ende noch eine
schwindelerregende Schraube - dabei hat es mir dann
doch buchstäblich
den Magen umgedreht.
Sonntagmorgen dann unser letztes
Vorhaben in Richtung Extremsport: Torentismo. Ich weiß dafür leider
kein deutsches Wort, man kann es wohl ''Abseilen an Wasserfällen''
nennen.
Mit dem Bus sind wir nach Charala zur
Cascade de Juan Curi. Nach einem 30minütigen Aufstieg durch einen umwerfenden Dschungel von exotischen Pflanzen, riesigen Bäumen
und Flechten, standen wir plötzlich auf einem weitläufiges Plateau
auf der Hälfte des Wasserfalls vor einem Naturschauspiel, das im
Katalog nicht halb so beeindruckend aussieht... eine Kaskade aus
herabstürzendem Wasser.
Und nach einer sehr kurzen Einführung
bekamen wir mal wieder Helme aufgesetzt, einen Gurt um die Beine und
die Hüfte und einen Handschuh an die linke Hand. Und dann stand ich
schon an der Kante, kletterte über die Seilsicherung und hing
plötzlich an einer fast senkrechten Felswand inmitten spritzendem
Wasser. Der Abstieg dauert, je nach Schnelligkeit des Kletterers,
leider nur 5-10min. Dafür erwarten einen unten traumhafte kleine
Wasserbecken mit Sprudeln und einer Natur wie aus dem Dschungelbuch.
Noch ziemlich durchnässt stiegen wir
am frühen Nachmittag wieder in den Bus zurück nach San Gil. Nach
einer kleinen Verschnaufpause in unserem wunderschönen kleinen
Hostel mit Dusche unter freiem Himmel noch eine letzte Tour nach Barichara,
einem Dorf, das für seine romantische Schönheit bekannt ist. Viele
kleine weiße Häuser, Blumenranken in kräftigem lila und kleine
Läden voller Artesanías... Und wie klein die Welt doch ist, dachten
wir mal wieder als wir beim Kaufen der Bustickets zurück auf eine
andere Gruppe deutscher Jugendliche stießen, die ebenfalls als
Freiwillige in Kolumbien waren – aber es waren nicht nur
''irgendwelche Deutschen'': das eine Mädchen kam auf uns zu und
meinte mit großen Augen ''Sophie???''. Die beiden hatten sich bei
einem Auswahlwochenende von AFS vor gut einem Jahr in Deutschland
getroffen :).
Damit ging unsere Reise leider auch
schon wieder ihrem Ende zu, Montagmorgen stiegen wir wieder in den
Bus und waren am frühen Nachmittag im grauen, nassen Bogotá...
Dabei fällt mir auf, dass ich euch
eigentlich mal einen Alltags-Post schulde – schließlich spielt
sich meine Leben zwischen den Reisen doch auch in dieser Großstadt
hier ab. Dazu mehr wenn ich nächste Woche wiederkomme - aber erst
mal heißt es 5 Tage Amazonas: Dschungel, Schlamm, Mosquitos,
Piranhas- ICH KOMME!!!
Abrazos y Besitos para todos,
que estén bien- Wanda
Ich entschuldige mich für anfängliche Rechtschreib- und Grammatikfehler, ich hoffe ich habe beim zweiten Blick jetzt alle korrigiert :)
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