''Das Geheimnis ist, ohne die Antwort zu leben''

Samstag, 9. März 2013

''Zwei deutsche Geiseln wieder frei''

... ich bin sicher, dass die Entführung der 2 deutschen Rentner durch die ELN hier in Kolumbien bei euch in Deutschland genau so ein großes Thema war wie hier. Seit dem Anfang Februar die Entführung und einige Informationen zu den Entführten bekannt geworden sind und das Thema mehrere Tage die Nachrichten hier mitbestimmte, hab ich nichts weiter mehr finden können zum Verlauf der Verhandlungen über ihre Freilassung außer der Weigerung der ELN die beiden Deutschen freizulassen aufgrund der Verdächtigung als ''Spione'' des deutschen Staates.
Gestern fand nun wohl die Übergabe der Beiden an das Rote Kreuz statt. Ich wurde durch einen anderen Freiwilligen auf einen Artikel über die Befreiung aufmerksam gemacht und wollte ihn euch hier zeigen - für diejenigen die es genau so interessiert und es bis jetzt nicht mitbekommen haben. Ich konnte im Netz so gut wie keine weitere Berichterstattung finden, also denke ich, dass auch bei euch noch nicht mehr bekannt geworden ist.

Hier der Link zum deutschen Artikel:
http://www.faz.net/aktuell/kolumbien-zwei-deutsche-geiseln-wieder-frei-12108114.html 

Ich hoffe euch geht es allen gut,
Wanda

Donnerstag, 7. März 2013

Zwischen Reisen und Bleiben, zwischen Bald und Jetzt - Lebenszeit

Manchmal rennt die Zeit vorbei, manchmal fliegt sie über mich hinweg, in wenigen Momenten läuft sie neben mir her und manchmal schleicht sie sogar hinterher- ganz manchmal...
In den letzten 2 Monaten, in denen diese Seite zum Bedauern vieler – auch meinem – immer gleich aussah, ist die Zeit so gedüst, dass ich gar nicht weiß wo sie geblieben ist - und jetzt sitze ich hier und google ''die Zeit rennt vorbei'' weil ich mir nicht mehr sicher bin, ob es diesen Ausdruck auf deutsch überhaupt gibt oder ob er nur ein kreatives Produkt meines Kopfes ist, der mittlerweile keine einzige Sprache mehr richtig beherrscht.
Deutsch war einmal - das bekomme ich nun öfter zu spüren, wenn ich meinen eifrigen 7 Schülern meines neuen Deutschkurses in der Musikschule zum Beispiel die simpelsten Sätze beibringen will und bei der Altersangabe stutze, weil ich 2 Minuten darüber nachdenken muss, ob Deutsch diese Ausnahmesprache war, in der man das Alter nicht ''hat'' sondern ''ist''. Jaja Wanda – deutsche Sprache, schwere Sprache. Ich bete inständig, dass wir es nie bis zur grammatischen Struktur dieser Sprache schaffen!!!
Dann war da Französisch – ich hoffe es erinnert sich keiner mehr, dass ich das damals... lange her... in alten Zeiten... alsLeistungskursinderSchulehatte. Schon Geschichte, ich halte mich an das, was ich damals meiner Mutter nach einem Jahr Unterricht in unserem ersten Frankreich-Urlaub eingebläut habe: ''Je ne parle pas francais!'' … Und dann Englisch - die all you can speak Sprache für jedermann. Zwischen Freiwilligen verschiedener Herkunft nur als nicht besonders schön klingende Mischung mit Elementen der spanischen, eigenen und natürlich englischen Sprache zu hören. Übt den Kopf - aber macht ihn auf längere Sicht doch mürbe.
Vergessen wir zuletzt nicht Spanisch - mein Leben, meine Liebe... :) Während mein Deutsch abwärts geht (wenn's keiner hier bemerkt – um so besser; jeder 3. Satz bedarf einer Google-Suche), erweitert sich mein Spanischwissen von Tag zu Tag. Das eine sinkt, das andere steigt - ich hänge irgendwo in der Mitte. Aber ich muss sagen, da geht es mir nicht mal schlecht. Manchmal kommt man irgendwann und irgendwo an diesen Punkt, wo es einem da besonders gut geht, wo es nicht perfekt ist. Oder jedenfalls nicht perfekt nach dem, was man erwartet hat. Und dann packt man seine Erwartungen weg (natürlich nur bis zum nächsten Mal) und gibt zu, dass es einem einfach gerade gut geht.

¿Qué pasó? Jaaa, was ist passiert? Viel.
Ich fange an... mit dem Schnipsel eines Blogeintrags vom 24. Dezember 2012. Stellt euch vor, am 24. Dezember wollte ich euch einen Eintrag schreiben. Naja, ich bin leider nicht über den Anfang hinausgekommen. Aber er soll reichen für den Zwischenreport:

''Ich packe meinen Koffer und nehme mit...

In meine Fall hieß das leider ''alles''. Nein, als ich am letzte Donnerstag (20.12.) nur jede erdenkliche Art von Stauraum-beinhaltenden ''Gefäßen'' (sprich; Koffer, Backpack-Rucksack, Tüten, Taschen und ähnliches) in meinem Zimmer zusammensuchte, wollte ich nicht für eine Reise packen. Ich war quasi die letzte in der Runde bei dem Spiel ''Ich packe meinen Koffer und nehme mit'' und musste mich an alles erinnern was je im Koffer nach Kolumbien gekommen war bzw. mit der Zeit so auf die ein oder andere Weise seinen Weg in mein Zimmer gefunden hat...
Manche haben es vielleicht schon direkt von mir erfahren, andere von wieder anderen - deshalb möchte ich es hier nur kurz ansprechen: Ich bin also letzten Donnerstag mit Sack und Pack bei meiner Gastfamilie ausgezogen und wohne nun bei einer Freundin bis Januar. Dann werde ich in meine neue Gastfamilie wechseln, in der ich dann auch bis August 2012 bleibe.

An dieser Stelle: Muchisimas gracias a Jorge y Johanna que me recibieron en su casa, que yo tenía la posibilidad de ser un parte de la familia para estos 4 meses. Que me abrieron su puerta para conocer la vida familiar en Colombia y para conocer a mucha, muy buena gente como todas mis tías / mis tíos, mis hermosos primos y mi Mama Concha. ¡Gracias a todos!

So sind die letzten Vorweihnachts-Tage verstrichen; zwischen Koffer packen, Novenas feiern, Geschenke verteilen und den Weltuntergang im Jacuzzi erwarten ist die Zeit so schnell vergangen, dass ich innerlich noch gar nicht am 24. Dezember angekommen bin. Und ich weiß nicht mal, wo ich anfangen soll, euch über mein Leben hier im weihnachtlich-kitschig-beleuchteten Bogotá zu berichten. Und wahrscheinlich warten auch viele noch auf einen ausführlichen Abenteuerbericht über den Amazonas - da muss ich euch enttäuschen, der muss noch warten.''

Im Schnelldurchlauf sah meine Zeit danach so aus (ausführliche Berichte folgen): 10 Tage Luxusurlaub in Cartagena und auf Barú im Hotel und am Pool mit meiner Freundin und ihrer Familie, 12 Tage Backpacker-Reise mit 5 anderen Freiwilligen entlang der Karibikküste, Umzug in meine neue Gastfamilie, Arbeiten (doch mal wieder...), eine Woche Midstay-Camp auf einer Finca in Fusagasugá mit 30 meiner Mitfreiwilligen, 19. Geburtstag...

An dieser Stelle ein ganz liebes Dankeschön an alle, die an diesem Tag / zu diesem Anlass an mich gedacht, geschrieben, mir gratuliert und Grüße geschickt haben in allen Formen!!! Mir bedeutet es viel, zu wissen, wer in der weiten Ferne an mich denkt. Mil gracias <3

Jetzt bin ich also 19... manche sagen: im 20. Lebensjahr. Uhh, da kribbelts – ohne jemandem nahe treten zu wollen, für mich klingt das dann doch schon ein bisschen zu alt. Ich bin mit der Zahl 19 ganz zufrieden - wieder so ein Ding in der Mitte: mit 18 hat man es grad so in die Volljährigkeit geschafft, mit 20 tritt man schon wieder in eine andere Dekade und einen anderen Lebensabschnitt ein.
Passend zum jung und alt habe ich an meinem Geburtstag die neuen AFS-Freiwilligen begrüßt - und mich daran erinnert, wie auch wir ''damals'' vor einem halben Jahr schüchtern und staunend in diesem Land angekommen sind, alle noch ein bisschen jünger, alle noch ein bisschen unwissender. Nicht lang her scheint dieser Moment zu sein; ich erinnere mich noch ziemlich genau an das erste Bild als wir aus dem bogotaner Flughafen traten: chaotischer Verkehr, viele Taxis. Und doch, wie viel habe ich erlebt seit diesem Moment – ich war am südlichsten und am nördlichsten Punkt Kolumbiens. Und nun gehöre ich schon zu den ''alten'' Afs-lern und muss mit einem Staunen auf den Lippen und Tränen in den Augen zugeben: Halbzeit.

Seit dem mein Abflugdatum feststeht (20. August 2013), ist zu diesem momentanen ''Mir-gehts-gut'' noch ein kribbeliges ''Aber-ich-will-doch-noch-so-viel-machen'' hinzugekommen. Und das treibt mich voran...


Ich habe eine neue Familie - eine wunderbare, liebe, großzügige und herzliche kolumbianische Familie und einen tollen Golden Retriever!










<-- Ich, meine Gastmutter Susana, mein Gastvater Ricardo & mein Gastbruder José Daniel (meine Gastschwester Natalia studiert in Italien)

Ich hab neben meinem offiziellen AFS-Projekt ein anderes, wirklich ''soziales'' Projekt, dass ich mir zusammen mit einer anderen Freiwilligen ''gesucht'' habe und was mir so viel gibt, wie ich nie erwartet hätte.

Ich habe – jetzt kommt's – mich im Fitnessstudio angemeldet. Wanda goes McFit - nein Spaß, vor allem kann ich nicht nach Deutschland zurück kommen ohne all diese wunderbaren Rhythmen hier tanzen zu können - von Salsa über Merengue bis hin zu Vallenato und Bachata; jeden Montag werde ich mich jetzt als Europäerin in einem Saal voller Kolumbianerinnen bloßstellen, denen das tanzen beigebracht wurde, bevor sie laufen konnten. Und das sagt man nicht nur so...
Von zwei Dingen kann ich behaupten, dass sie jedem Kind hier beigebracht werden: Tanzen und Feiern!

Damit schließe ich für heute mit meinem Bericht von Altem und Neuem aus meinem Leben in diesem wunderbaren Land (das leider nichtsdestotrotz viele Probleme hat) und verspreche euch folgende Berichte zu vergangenen Reisen und aktuellen Momenten.

Besitos y abrazos para todos,
eure Wanda